Möglichst ohne Öl und Gas: Mit welchen Wärmequellen Dresden in der Zukunft heizen will
Dresden - Wie soll Dresden künftig klimaneutral heizen und alle Wohnungen auch in strammen Wintern warm bekommen? Noch werden rund 93 Prozent der gesamten Wärme mit fossilem Erdgas erzeugt – bis 2045 muss dieser Anteil auf null sinken. Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (60, Grüne) legte jetzt ihren nachgebesserten Wärmeplan vor.
Sicher, bezahlbar und treibhausgasarm soll die Energiewende werden. Der Wärmeplan zeigt auf, welche Stadtteile und Wohngebiete wie am besten versorgt werden sollen, also etwa mit Fernwärme, Großwärmepumpen oder lokalen Energiequellen wie Biomasse oder -gas.
Doch an Jähnigens erstem Entwurf hatte es im Herbst viel Kritik gegeben. Nun legte sie ihren überarbeiteten Wärmeplan vor. Dieser bewertet etwa die Rolle von Wasserstoff kritischer.
"Die Wahrheit ist, Wasserstoff hat Unsicherheiten", so Frank Wustmann (60, SachsenEnergie). Von der früheren Euphorie ist im neuen Plan wenig geblieben, der Fokus liegt jetzt auf Wärmepumpen und dem Ausbau der Fernwärme.
Statt Erdgas sollen allerdings künftig viele lokale Wärmequellen genutzt werden. Dafür sollen Großwärmepumpen gespeist werden mit Umweltwärme (etwa: Elbe, Abwasser) oder Abwärme von Industrie (etwa: Rechenzentren, Chip-Werke).
Bis 2028 will Dresden Fahrplan klären
Auch Müllverbrennung soll helfen sowie lokale Energiequellen für einzelne Straßenzüge oder Quartiere wie etwa Wärmepumpen, die Luft nutzen.
Perspektivisch sollen zwei Drittel des Dresdner Wärmebedarfs von solchen Wärmenetzen gedeckt werden, die laut Jähnigen die Versorgung auch unabhängiger von internationalen Krisen machen und langfristig sicherstellen.
Zudem braucht es weitere Großwärmespeicher und Elektrodenheizkessel, um das schwankende Stromnetz besser auszugleichen.
Doch noch ist in 16 verbliebenen Gebieten der Stadt nicht klar, wie diese künftig versorgt werden sollen. Bis 2028 will die Stadt den Fahrplan klären, damit Gebäudeeigentümer planen können.
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Dresdens Stadtrat hat letztes Wort
Im Juni soll auch der digitale "Energielotse" (dresden.de/energielotse) überarbeitet sein, um Dresdner bei der Umrüstung zu beraten.
Nach Berechnungen der Stadt sind umgerechnet knapp 8000 Euro pro Haushalt Investitionskosten nötig, um die Wärmewende zu meistern, wobei sich die laufenden Betriebskosten dadurch verringern.
Die Umsetzung des Wärmeplans bis 2035 – wie es sich viele wünschen – sei laut den Planern jedoch unrealistisch. Das letzte Wort hat der Stadtrat.
Titelfoto: Bildmontage: Eric Münch, Holm Helis

