Müll, Gestank und Fontäne-Pausen: Warum lasst ihr unseren Zwingerteich so verlottern?

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Dresden - Enten schnattern neben Plastikmüll, Glasflaschen treiben im Wasser, Touristen rümpfen die Nase. Am barocken Zwinger stinkt es gewaltig. Ausgerechnet der Teich am sonst so stattlichen Urlauber-Liebling zeigt sich zur heißesten Zeit des Jahres von seiner unschönen Seite.

Der Blick auf das Kronentor wird durch achtlos weggeworfenen Müll getrübt.
Der Blick auf das Kronentor wird durch achtlos weggeworfenen Müll getrübt.  © Norbert Neumann

Vor allem Richtung Burggraben, wo eigentlich Wasserspeier für Bewegung sorgen sollten, liegt fauliger Geruch in der Luft. Denn die Speier werden nur bei absolutem Niedrigwasser zugeschalten.

Dazu kommt allerhand Müll. Erwin Przemus (69) und seine Frau Petra (66) aus Hamburg sind für ein paar Tage in der Stadt. Auch ihnen ist die Situation nicht entgangen: "Baden würde ich hier drin nicht. Es riecht halt nach Kloake", sagt die Frau.

Das Müllproblem ist dem verantwortlichen Schlösserland eigentlich schon bekannt.

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"Glasflaschen und Müll werden einmal pro Woche mit dem Boot aus dem Wasser entfernt. Leider gibt es im Zwingergarten ein sehr starkes Müllaufkommen. Die Beseitigung ist ein großer Aufwand für unser Gärtnerteam, das eigentlich andere Kernaufgaben hat", erklärt Schlösserland-Sprecherin Anita Radicke (39).

Der Zustand des Teichs macht auch Besuchern aus Franken Sorgen. "Der Gestank ist sehr unangenehm und auch nicht attraktiv. Gerade an so einem Ort wie dem Zwinger", so Matthias Lucke. Auch seine Frau Stefanie ist geschockt: "Der Wasserstand ist so niedrig. Dass die Fische darin überhaupt existieren können ..."

Neben "Fast Food"-Tüten, schwimmen auch allerhand Glasflaschen im Teich.
Neben "Fast Food"-Tüten, schwimmen auch allerhand Glasflaschen im Teich.  © Norbert Neumann
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Obwohl der Wasserstand im Burggraben schon sehr niedrig war, waren die Wasserspeier noch nicht eingeschaltet.
Obwohl der Wasserstand im Burggraben schon sehr niedrig war, waren die Wasserspeier noch nicht eingeschaltet.  © Norbert Neumann
Teichpächter Andreas Hilger (41) beobachtet nun mit seinem Team, wie sich der Sommer für die Karpfen im Teich entwickelt.
Teichpächter Andreas Hilger (41) beobachtet nun mit seinem Team, wie sich der Sommer für die Karpfen im Teich entwickelt.  © Thomas Türpe
Die Touristen Erwin (69) und Petra Przemus (66) haben bei ihrer Dresden-Tour auch am Zwinger Halt gemacht.
Die Touristen Erwin (69) und Petra Przemus (66) haben bei ihrer Dresden-Tour auch am Zwinger Halt gemacht.  © Norbert Neumann

Wann ist der Springbrunnen an?

Stichproben am Morgen zeigten, dass die Fontäne gar nicht, wie zunächst mitgeteilt, ab 9 Uhr in Betrieb genommen wird.
Stichproben am Morgen zeigten, dass die Fontäne gar nicht, wie zunächst mitgeteilt, ab 9 Uhr in Betrieb genommen wird.  © Jacqueline Grünberger

Andreas Hilger (41), Geschäftsführer der Teichwirtschaft Zschorna und Pächter des Teichs sieht es hingegen noch nicht so kritisch für seine Karpfen: "Zum Glück sorgt die Fontäne vorne im Teich für eine Umwälzung. Dadurch ist die Sauerstoffsättigung drumherum höher. Wäre sie dauerhaft aus, wird es kritisch."

Er ist nun gespannt, wie sich die kommenden Hitze-Wochen entwickeln. Insbesondere in dieser Phase müsste "die Fontäne eigentlich dauerhaft an sein". Gerade "nachts ist die kritische Phase, weil es dann windstill ist".

Doch genau dann ist der Springbrunnen gar nicht an, wie Schlösserland-Sprecherin Radicke mitteilt: "Die Fontäne des Zwingerteichs ist seit 1. Mai täglich von 9 bis 18 Uhr in Betrieb. Die Laufzeiten sind fest so eingestellt."

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Allerdings: TAG24-Stichproben in dieser Woche zeigten, dass die Fontäne auch nach 9 Uhr noch Ruhepause hatte.

Damit konfrontiert, hieß es von der Schlösserland-Verwaltung plötzlich: "Die Fontäne startet aktuell ab 10 Uhr und läuft bis 20 Uhr. Wir verändern die Schaltzeiten, um die Wasserqualität zu verbessern, bzw. zu bewahren. Die etwas längere Laufzeit hilft, das Wasser mit mehr Sauerstoff anzureichern und das Kippen des Gewässers zu verzögern."

Da ist was faul: Ein Kommentar von Jacqueline Grünberger

TAG24-Reporterin Jacqueline Grünberger ist wenig begeistert.
TAG24-Reporterin Jacqueline Grünberger ist wenig begeistert.  © Eric Münch

Am Zwingerteich staut sich der Sommer: Müll im Wasser, Gestank in der Luft und ein niedriger Pegel. Kein schöner Anblick. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Hitze erst richtig Fahrt aufnimmt.

Für mich zeigt ein Blick auf den Teich ziemlich schnell, was unter anderem das Problem ist: Die Fontäne läuft nicht durchgehend, das Wasser wird also nur zeitweise bewegt. Die fehlende Bewegung befeuert den schon fauligen Geruch, den Sonneneinstrahlung auf ein stilles Gewässer zwangsläufig mit sich bringt.

Wir erinnern uns: Vor nicht einmal einem Jahr trieben im Carolasee plötzlich Dutzende tote Brassen an der Oberfläche. Dort war die Fontäne im Sommer, aus Kostengründen, nur noch eingeschränkt in Betrieb. Das Fischsterben kam dann aber erst im September. Also nachdem der Sommer schon in seinen Endzügen war.

Eigentlich nannte das Schlösserland damals die Blaualgen als Todesursache. Doch das Entscheidende ist hier ein Zusammenspiel: Hohe Temperaturen und wenig Wasserbewegung führen eben zu einem sinkenden Sauerstoffwert, wie auch der Fischwirt erklärt. Optimale Bedingungen für Blaualgen also, die dem Wasser dann am Ende einfach noch mehr Sauerstoff entziehen.

Die Stellschraube für stabile Wasserverhältnisse wäre einfach eine dauerhaft laufende Fontäne. Wäre den Karpfen im Zwingerteich zu gönnen ...

Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann, Thomas Türpe

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