Dresden - Das Wort "Nische" hat viele Bedeutungen. Es beschreibt Vertiefungen in Wänden und Mauern, bauliche Teilflächen, geschützte Räume, Rückzugsorte oder auch Bereiche für Spezialinteressen. Das alles kommt zusammen in der Fotoausstellung "Nischen" im Obergeschoss der Neustädter Markthalle: Ein Kollektiv aus 13 Dresdner Fotografen zeigt in einer temporären Pop-up-Galerie Arbeiten, die sich sowohl formal als auch inhaltlich mit dem Thema beschäftigen.
Initiiert hat die Ausstellung Fotograf Amac Garbe, die Initiative "Neuerdings" hat ihm dafür den Raum gegeben. Unter diesem Namen organisieren Anna Weiß, Luise Thiem und Lorenz Köhler Pop-up-Galerien, um brachliegende Gewerbeflächen zeitweilig mit Kunst und Kultur zu fluten.
Aktuell bespielt man "Die Malle" (kurz für MArkthaLLE) an der Neustädter Hauptstraße, um deren Leerflächen - vom Betreiber Konsum Dresden eG gestützt - mit neuen Impulsen zu beleben. Amac Garbe hat für "Nischen" zwölf weitere Dresdner Berufsfotografen zusammengebracht, die sich über den Branchen-Verband "Wir gestalten Dresden" kennen.
Ort der Ausstellung ist ein Raum am Kopfende der Markthalle im ersten Obergeschoss. Verwinkelte weiße Wände, gekachelter Boden, eigentlich ideal als Nische. "Wir Fotografen schmiegen uns in die architektonischen Nischen des Raums", sagt Garbe.
Bedeutet: Man nutzt den Raum ganz roh, die Fotos sind nicht in Rahmen gehängt, sondern direkt an die Wand gekleistert, wobei man die Unebenheiten der Mauern ausnutzt, auch über Kanten und Furchen geht.
Die Idee entstand Anfang des Jahres, zur Vorbereitung blieb allen nur ein Monat Zeit. Garbe: "Jeder sollte etwas aus seinen Arbeiten heraussuchen, das auch inhaltlich zum Thema 'Nischen' passt." Weitere Vorgaben gab es nicht, jeder habe sich dann im Raum seine Nische gesucht.
Die Fotografen sind in unterschiedlichen Bereichen tätig - von der Presse bis zur Mode
Alle Fotografen arbeiten im Presse-, Werbe- oder Modebereich, ihre Motive könnten unterschiedlicher nicht sein. Nilas Bahr etwa, der für Magazine wie "Stern" und "Spiegel" um die Welt reist, hat Wildtiere der Dresdner Vogel-Auffangstation in Szene gesetzt. Tobias Ritz fand Nischen im Stadtbild New Yorks, Michael Wagner verfolgte die Spuren eines Bibers in seiner ökologischen Nische.
David Pinzer, der Ausstellungsfotografien für die SKD macht, zeigt Impressionen des Erntedankfestes auf Sumatra und Thomas Schlorke präsentiert seine beeindruckende Serie "Thin Red Line" mit Porträts aus Sächsischen Justizvollzugsanstalten - schwere Jungs im Knast, die sich für diese Arbeiten ernst genommen und beachtet fühlten.
Amac Garbe, der auch für die TAG24-Redaktion tätig ist, stellt seine Arbeiten für das Magazin "Stadtluft" aus, dessen Mitherausgeber er zehn Jahre lang war.
Zu sehen sind Promi-Porträts, entstanden stets am frühen Morgen oder späten Abend, wenn das Licht für wenige Momente besonders ist und "der Tag seine eigenen Nischen sucht", so Garbe. Auf Info-Tafeln wird verzichtet, QR-Codes führen zu weiteren Arbeiten der Künstler.
Die aktuelle Ausstellung läuft bis zum 15. August, dann macht man zunächst Platz für die "Dresdner Design Days". Vom 3. bis 26. September legt die "Nischen"-Schau mit einer Schlussausstellung und neuen Motiven noch einmal nach.
Alle weiteren Informationen findest Du unter: nischen.photos.de.