Prohliser Stadtteiloper löst bei Premiere Jubelstürme aus

Von Jörg Schurig

Dresden - Eine musikalische Sternstunde für Dresden-Prohlis: Die Premiere der Stadtteiloper "Plattenspieler:innen" hat in dem Plattenbauviertel im Südosten der Landeshauptstadt Jubel ausgelöst.

Die Stadtteiloper "Plattenspieler:innen" in Prohlis hat Premiere gefeiert.  © Robert Michael/dpa

Am Ende erhielten die rund 300 beteiligten Akteure - zum Großteil Kinder und Jugendliche - viel Beifall und Standing Ovations. Für das Stück war die Turnhalle der 128. Oberschule zur Bühne umgebaut worden.

Trotz tropischer Temperaturen draußen und drinnen blieben die Musiker, Tänzer und Schauspieler cool und boten dem Publikum eine gute Show, für die es auch immer wieder Zwischenapplaus gab.

Hinter der Stadtteiloper steht das musikalische Sozialprojekt "Musaik". Es entstand 2017 in Prohlis - einem Viertel, das mit seinen Plattenbauten als sozialer Brennpunkt gilt.

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Kinder und Jugendliche können bei "Musaik" kostenlos Musikunterricht erhalten und bekommen dafür auch ein Instrument gestellt. Derzeit sind gut 15 Nationen in dem Orchester vereint.

Es "trägt dazu bei, Vorurteile gegenüber Unbekannten und Fremden abzubauen und ein Klima des respektvollen Miteinanders und der Achtsamkeit zu erzeugen", sind die Organisatoren überzeugt.

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Berühmter Prohliser spielt in der Oper eine wichtige Rolle

Das "Musaik"-Orchester zählt rund 120 Mitglieder.  © Robert Michael/dpa

Bei der Stadtteiloper war das in jeder Szene spürbar. Das Sujet hatte nicht zufällig eine kosmische Dimension. Denn der Bauer und Amateurastronom Johann Georg Palitzsch, der 1723 in dem damaligen Dorf Prohlis zur Welt kam, erlangte später Berühmtheit, als er am 25. Dezember 1758 als Erster die von Edmond Halley (1656-1742) vorausberechnete Wiederkehr des nach diesem benannten Halley'schen Kometen beobachtete.

Zuletzt tauchte der Komet 1986 nahe der Erde auf, das nächste Mal wird er 2061 erwartet - in diesem Jahr setzt auch der Beginn der Prohlis-Oper ein.

Komet Halley nähert sich wieder der Erde und wird zum bestimmenden Thema der "intergalaktischen Nachrichten", die natürlich ihr Studio in Prohlis haben. Der Komet verliert ein Stück von sich selbst – einen singenden Stein (Sopranistin Menna Cazel).

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Der Stein landet in Prohlis und erlebt dann im Zeitraffer, wie aus einer urzeitlichen Siedlung eine lebendige Stadt wird. Die Oper verbindet Musik aus verschiedenen Jahrhunderten. Gleich zu Beginn ist der Anfang von 'Also sprach Zarathustra' von Richard Strauss zu hören. Das "Musaik"-Orchester ist in voller Besetzung mit etwa 120 Leuten an Bord.

150 Grund- und Oberschüler wirken als kleine Künstler mit

Bei dem Sozialprojekt "Musaik" erhalten Kinder und Jugendlich kostenlos Musikunterricht.  © Sebastian Kahnert/dpa

Schauspiel, Tanz, Musik und Chorgesang fügen sich zusammen. Auch 150 Kinder aus einer Prohliser Grundschule und einer Oberschule wirken mit, spielen in fantasievollen Kostümen, Prohliser Urmenschen, Bauern oder einfach auch nur Kartoffeln.

Palitzsch fragt mit starkem sächsischen Dialekt Halley, ob er denn gern Kartoffelsalat esse. Das passende Rezept wird per Leinwand eingeblendet.

Es ist viel Witz dabei, aber auch Ernstes - etwa als in einem Rap-Song an das Image von Prohlis nach der Wende erinnert wird - mit einer Liedzeile wie "keiner will hier bleiben, alle wollen weg".

Doch wie in so mancher Oper gibt es auch für "Plattenspieler:innen" ein Happy End. Prohlis, das mit der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 immer internationaler wurde, gibt sich selbstbewusst. "Wenn alle zusammenhalten, ist keiner allein", lautet die Botschaft am Ende, und: "Prohlis ist bunt."

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