Sitzgelegenheiten voll im Trend: Dresdner Bänke, die Geschichte(n) erzählen

Dresden - Zuletzt wurden gleich zwei neue Sitzbänke in Dresden eingeweiht, die etwas zu sagen haben. Stadtnovum ist die "Erzählbank" in der Johannstadt, die auf Initiative des "Netzwerk60+" und mit Förderung des Stadtteilfonds Johannstadt errichtet wurde.

Sechs Frauen, die sich über die Symbol-Bank gegen Frauengewalt freuen: Bei der Einweihung waren neben Bürgermeisterin Eva Jähnigen (58, v.l.) außerdem Hedwig Deipenwisch-Ruscher (68), Daniela Stricker (54), Tanja Albert (58) und Mathilda Stoof (57) vom Zonta Club Dresden sowie Andrea Pankau (61) vom Landesfrauenrat Sachsen dabei.
Sechs Frauen, die sich über die Symbol-Bank gegen Frauengewalt freuen: Bei der Einweihung waren neben Bürgermeisterin Eva Jähnigen (58, v.l.) außerdem Hedwig Deipenwisch-Ruscher (68), Daniela Stricker (54), Tanja Albert (58) und Mathilda Stoof (57) vom Zonta Club Dresden sowie Andrea Pankau (61) vom Landesfrauenrat Sachsen dabei.  © Eric Münch

Ziel ist, zu Gesprächen anzuregen. "Vielen Menschen, insbesondere Senioren fällt es schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Daher wollten wir einen zwanglosen Ort der Begegnung und des Austauschs schaffen. Die Bank ist ein solcher Ort", erklärt Cathrin Bochert (61) vom Netzwerk 60+.

Die Bank ist bewusst im Wohngebiet platziert, der Zugang ebenerdig. Haben sich schon Bekanntschaften ergeben? "Die Bank wurde schon genutzt."

Nicht minder bedeutungsvoll ist das Anliegen, das eine am Montag am Ferdinandplatz eingeweihte, knallig orangefarbene Bank vorbringen möchte.

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"Kein Platz für Gewalt gegen Frauen", steht auf der Lehne geschrieben. Die Bank ist die zweite ihrer Art in Dresden, wurde vom Zonta Club gespendet.

"Die Farbe erzeugt Aufmerksamkeit, man kommt um sie nicht herum", resümiert Andrea Pankau (61) vom Landesfrauenrat hoffnungsvoll.

Auch die Erzählbank fällt optisch ins Auge. Vier Menschen können hier zeitgleich Platz nehmen und formlos miteinander ins Gespräch kommen.
Auch die Erzählbank fällt optisch ins Auge. Vier Menschen können hier zeitgleich Platz nehmen und formlos miteinander ins Gespräch kommen.  © Ove Landgraf
Auf der Brühlschen Terrasse wäre Juden 1938 der Zutritt untersagt worden.
Auf der Brühlschen Terrasse wäre Juden 1938 der Zutritt untersagt worden.  © Eric Münch
Eine Bank aus Acrylglas wird leicht übersehen - nicht nur deshalb ist hier das Wort "Hinsehen" zu lesen.
Eine Bank aus Acrylglas wird leicht übersehen - nicht nur deshalb ist hier das Wort "Hinsehen" zu lesen.  © Eric Münch

Bildhauerin Marion Kahnemann weißt auf die Bedeutung der Bänke hin

Was die symbolische Wirkung von Sitzbänken betrifft, ist Bildhauerin Marion Kahnemann (64) weniger optimistisch. Ihre drei "Gläsernen Bänke" sollen seit 2009 auf der Brühlschen Terrasse, im Großen Garten und am Blüherpark auf ein spezifisches Unrecht hinweisen: In Nazi-Deutschland war Dresdner Juden ab 1938 der Zutritt zu öffentlichen Grünanlagen verboten.

Die Bänke sind aus Acrylglas gefertigt, in die Lehnen das Wort "Hinsehen" eingraviert. "Ich bin von der Wirkung der Bänke sehr resigniert. Viele registrieren die Bedeutung gar nicht und ignorieren die Hinweisschilder."

Eins steht fest: Wer heute ein Zeichen setzen möchte, liegt mit dem Aufstellen einer Sonder-Sitzbank voll im Trend.

Titelfoto: Eric Münch

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