Stollenfest: Dresden streicht den Riesen-Striezel!

Dresden - Das ist ein schwerer Verlust für den Dresdner Striezelmarkt. Um genau zu sein: ein knapp vier Tonnen schwerer Verlust. So viel wog der letzte Riesenstollen beim Stollenfest 2019. Das findet nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause am 3. Dezember zwar wieder statt, allerdings ohne seine größte Attraktion. Die wird es künftig wohl nie mehr geben.

Das gibt's wohl nie wieder zu sehen: Ein Riesenstollen, der von Pferden durch die Stadt gezogen wird.
Das gibt's wohl nie wieder zu sehen: Ein Riesenstollen, der von Pferden durch die Stadt gezogen wird.  © imago images/Sven Ellger

"Das Stollenfest findet wieder statt, das ist die gute und positive Nachricht. Aber es gibt keinen Riesenstollen", bestätigt Bäcker Andreas Wippler (44), der Vorsitzende des Schutzverbands Dresdner Stollen.

Der Verein vertritt seit 1991 die Interessen der Stollen-Bäcker aus dem Großraum Dresden und hat sich den Schutz des Traditionsgebäcks auf die Fahne geschrieben.

Für das Aus der Tradition gebe es mehrere Gründe. Einer davon ist der Wagen, mit dem der Riesenstriezel durch die Stadt gefahren wurde. "Der Wagen ist in die Jahre gekommen und braucht neuen TÜV. Das wäre mit Kosten im fünfstelligen Bereich verbunden", sagt Wippler.

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Dieses Geld habe der Schutzverband nicht. Der Verein wolle außerdem aus Sicherheitsgründen keine Pferde mehr einsetzen, die es zum ziehen des Wagens aber brauche.

Neben diesen praktischen Gründen haben sich die Stollenbäcker in den vergangenen zwei Jahren auch Gedanken um die Zukunft der Stollenfests gemacht, das ehrenamtlich veranstaltet wird.

Aus groß mach klein: Der Riesenstollen wurde natürlich nicht am Stück verteilt.
Aus groß mach klein: Der Riesenstollen wurde natürlich nicht am Stück verteilt.  © Norbert Neumann
Aus diesem Teig wird kein Riesenstollen mehr.
Aus diesem Teig wird kein Riesenstollen mehr.  © Sebastian Kahnert/dpa

Stollenfest-Tradition soll abgewandelt werden

Bäcker Andreas Wippler (44, 2.v.r.) und der Stollenverband haben sich eine Alternative zum Riesenstollen ausgedacht.
Bäcker Andreas Wippler (44, 2.v.r.) und der Stollenverband haben sich eine Alternative zum Riesenstollen ausgedacht.  © Norbert Neumann

Ergebnis: Die Tradition soll abgewandelt werden. "Der Grundgedanke des Stollenfests ist die Gemeinschaft der Stollenbäcker", erklärt Wippler.

Die soll in neuer Form weiterleben. Statt aus den vielen Stollenplatten einen riesigen Striezel zusammenzufügen, werden in den Backstuben nun 588 einzelne Ein-Kilo-Stollen gebacken. "Diese Sonderedition wird beim Stollenfest für den guten Zweck versteigert", sagt Wippler.

Dresdens Touristiker von der Dresden Marketing GmbH (DMG) sind froh, dass das Stollenfest überhaupt zurück ist. "Die Dresdner Stollenbäcker haben es geschafft, den Bürgern wie auch unseren Gästen aus dem In- und Ausland 2022 wieder ein großartiges Geschenk zu machen", sagt DMG-Chefin Corinne Miseer (46).

DMG-Chefin Corinne Miseer (46) freut sich, dass das Stollenfest wieder stattfindet.
DMG-Chefin Corinne Miseer (46) freut sich, dass das Stollenfest wieder stattfindet.  © Holm Helis

Das Stollenfest, das seit 1994 alljährlich in Dresden gefeiert wird, und sein Riesenstollen haben ihren Ursprung im sogenannten "Zeithainer Lustlager". Im Jahr 1730 wollte August der Starke (1670-1733) dort die Stärke seiner Streitmacht demonstrieren und ließ einen etwa 1800 Kilogramm schwerer Christstollen backen.

Titelfoto: imago images/Sven Ellger

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