Die Neuen in der Kuppel: Nachfahrin des Erbauers kehrt in die Yenidze zurück

Dresden - Neustart in der Yenidze-Kuppel: Vergangenes Jahr zogen die "1001 Märchen" aus. Jetzt starten die Vorbereitungen für den Neustart unter Dresdens berühmtestem Dach. Musik, Tanz und Kunst aus Indien sollen ab Oktober eine Brücke in den Orient schlagen. Doch es gibt auch Bezüge in die Vergangenheit.

Die Yenidze ist eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt.
Die Yenidze ist eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt.  © Holm Helis

Seit 1909 prägt die Tabakmoschee das Bild der Stadt. Der umstrittene Architekt Martin Hammitzsch (1878 bis 1945) entwarf das Bauwerk samt wunderbar verglaster Kuppel und als Minarett getarntem Schornstein.

Das Entsetzen im barocken Dresden war groß, das Gebäude wurde dennoch legendär. "Meine Oma ist eine Hammitzsch. Sie hat voller Stolz von dem Gebäude erzählt", sagt Anne Dietrich.

Die 39-Jährige zählt zu den bundesweit bekanntesten und am besten ausgebildeten indischen Tänzerinnen. Sie studierte an der berühmtesten indischen Kunst-Uni, stand auf Bühnen in Deutschland, Indien, Malaysia und der Schweiz. Bis Anfang 2020 lehrte sie an der National School of Drama in Delhi.

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2013 wurde sie kurzfristig von Doreen Seidowski-Faust für einen Auftritt in der Yenidze-Kuppel gebucht, damals noch unter der Regie der 1001-Nacht-Märchen.

Die 49-jährige studierte in Dresden klassischen Gesang, ging dann 1995 nach Indien und spezialisierte sich.

Kultur im Dach-Biergarten

Anne Dietrich (39, l.) und Doreen Seidowski-Faust (49) planen den Neustart in der Yenidze-Kuppel.
Anne Dietrich (39, l.) und Doreen Seidowski-Faust (49) planen den Neustart in der Yenidze-Kuppel.  © Holm Helis

Die beiden Frauen fanden als Team zusammen. 2020 verließen die Märchenmacher die Kuppel, weil es darunter im Sommer immer heißer wurde.

"Vor uns lag plötzlich die perfekte Kulisse für unsere Vision. Das sackte langsam, irgendwann sagten wir dann: Warum denn nicht!"

In einer Woche startet der Umbau der Kuppel, die zukünftig zwischen Oktober und April (Info: yenidze-theater.de) genutzt werden soll.

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Im Sommer werden die Aufritte unter dem aufgeheizten Dach seltener, stattdessen könnte im Dach-Biergarten der Yenidze gespielt werden.

Das mittlerweile vierköpfige Team will Touristen, Theatergänger und Dresdner mit Lust auf Neues anlocken.

Im Hintergrund läuft bereits emsige Netzwerkarbeit: Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU) war schon da und "sehr angetan".

Rainer Petrovsky (71) zog mit seinem Märchenzelt vergangenes Jahr aus. Dieses Jahr öffnet er im Bräustübel neu.
Rainer Petrovsky (71) zog mit seinem Märchenzelt vergangenes Jahr aus. Dieses Jahr öffnet er im Bräustübel neu.  © Eric Münch

Die Geschichte der alten Tabakmoschee

So fügte sich die damals höchst umstrittene Tabakmoschee um 1912 ins Stadtbild ein.
So fügte sich die damals höchst umstrittene Tabakmoschee um 1912 ins Stadtbild ein.  © Sammlung Holger Naumann

1886 gründete Hugo Zietz in Dresden die "Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze". Der Tabak dafür stammte aus dem Anbaugebiet "Yenice".

1907 beauftragte er Architekt Martin Hammitzsch mit dem Bau einer Fabrik. Weil damals so nah am Zentrum keine Industriebauten entstehen durften, entschied man sich für ein orientalisches Werbemonument - passend zum Anbaugebiet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in der Yenidze ab 1953 der VEB Tabakkontor untergebracht. 1991 übernahm eine Investorengemeinschaft.

Ein israelischer Millionär kaufte 2007 das gebäude für etwa zwölf Millionen Euro und wollte aus der Tabakmoschee ein orientalisches Luxushotel machen. Das Projekt scheiterte.

2014 übernahm die Berliner EB Group, die seither am Bürokonzept festhält.

Titelfoto: Montage: Holm Helis (2)

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