Vor dem Aus? Sorge um Märchenstunde in der Yenidze

Dresden - Orientalische Märchen, Musik und Geschichten aus "Tausendundeine Nacht" - wo würden sie in Dresden besser hinpassen, als in die Kuppel der Yenidze? Seit 1997 bespielt die 1001 Märchen GmbH das Dachgeschoss der früheren Fabrik, jetzt geben die Macher auf. Grund sind zunehmende Hitze und bauliche Mängel. Ein neuer Spielort wird gesucht.

Das Bühnenzelt in der Kuppel ist durch eingesickertes Regenwasser beschädigt.
Das Bühnenzelt in der Kuppel ist durch eingesickertes Regenwasser beschädigt.  © Erik Münch

Man merkt es selbst in frösteligen Oktober-Tagen sofort: In der Yenidze-Kuppel steht die warme Luft wie im Gewächshaus.

"Wir nehmen die Klimaproblematik hier deutlich wahr", sagt Rainer Petrovsky (70), von Beginn an Geschäftsführer der 1001 Märchen GmbH.

Es werde immer wärmer, immer öfter könne nicht mehr gespielt werden. Mussten 2009 nur je eine Vorstellung im April und September sowie sechs im Mai ausfallen, waren es in diesem Jahr 12 Ausfälle in April und Mai, 14 gar im September.

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Dazu kämen undichte Stellen in der Kuppel, rostender Stahl, poröser Kitt - es regne rein. Petrovsky: "Auf Dauer können es weder die Künstler noch die Besucher länger aushalten."

Jetzt haben die fünf Gesellschafter der GmbH die Reißleine gezogen. Da von Vermieterseite keine Verbesserungs-Signale kamen, wurde im September einstimmig beschlossen, aufzuhören.

Die Kündigung ist abgeschickt, am 21. März 2020 wird die letzte Vorstellung gegeben. Dann habe man mehr als 300 000 Besucher im Laufe von dann 23 Jahren gehabt.

Loschwitzer Bräustübel eine Option

Die Jenidze-Kuppel ist nicht länger Heim der 1001 Märchen GmbH. Geschäftsführer Rainer Petrovsky (70) hofft jetzt auf Unterstützer-Post für die Bewerbung ums Loschwitzer Bräustübel.
Die Jenidze-Kuppel ist nicht länger Heim der 1001 Märchen GmbH. Geschäftsführer Rainer Petrovsky (70) hofft jetzt auf Unterstützer-Post für die Bewerbung ums Loschwitzer Bräustübel.  © Erik Münch

Petrovsky: "Dass wir diese Spielstätte verlassen, fällt unendlich schwer." Viele Instrumente gebe es, die nur in "diese verrückte Kuppel" gebaut werden konnten. Petrovsky: "Es ist wert, eine Träne zu weinen, wenn sie hier nicht mehr gespielt werden."

Wo nun weitermachen? Das seit anderthalb Jahren leerstehende Bräustübel am Körnerplatz in Loschwitz wäre eine Option.

Das Häuschen sei märchenhaft, es passe, Alternativen habe man trotz offener Augen noch nicht gefunden.

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Kulturbürgermeisterin Klepsch habe die Bewerbung mit einem Schreiben an den Ortsrat unterstützt. Obwohl es rund 20 Bewerber gebe, rechnet sich Petrovsky gute Chancen für eine Zusage aus: "Immerhin ist unser Ensemble mit 45 Künstlern einmalig in Europa."

Man würde auch das Konzept an die Räumlichkeit anpassen, abrücken vom Fokus auf den Orient. Der Schwerpunkt Märchen aber soll bleiben.

Petrovsky: "Das ist ein Kulturgut, dass es zu erhalten gilt."

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