Sozialistische Jugend im Visier: Wer trägt Verantwortung nach dem Porno-Projekt im Klassenzimmer?
Schleife - Zwei externe Kursleiterinnen zeigen während einer Projektwoche in einer 9. Klasse Schwulen-Pornos. Die Empörung ist groß, der Ruf nach Konsequenzen laut.
Der Deutsch-Sorbische Schulkomplex in Schleife (Landkreis Görlitz). Im Schulplan steht eine Theaterwoche, Thema: Mut.
Zwei junge Kursleiterinnen, eine Theaterpädagogin und eine Lehramtsstudentin, nutzen dafür am ersten Tag Medienberichten zufolge Aufnahmen aus dem Magazin "Whatever The Fuck You Want", bei denen offenbar auch Männer beim Oralsex gezeigt werden.
Als sich die Eltern darüber am nächsten Tag bei der Schulleitung empören, wird das Projekt sofort abgebrochen und der Vorfall zum Skandal.
Monate zuvor: Das Angebot zu dem Projekt geht per E-Mail bei der Schulleitung ein. "Die Projektinhalte, welche dem Schulleiter im Vorfeld zur Verfügung standen, ließen keinen Anlass für Zweifel", sagt der Sprecher des Landesamts für Schule und Bildung (LaSuB) in Chemnitz, Clemens Arndt (47) nach dem Vorfall.
SJD bedauert Vorfall mit Porno-Magazin
Mehr noch: Die Projektbeschreibung steht im Einklang mit übergeordneten Bildungs- und Erziehungszielen des sächsischen Lehrplans, so das Kultusministerium im Nachgang.
Angedockt war das Projekt beim "Bundesverband der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken" (SJD). Bei der Projektarbeit seien gespendete Bastelmaterialien verwendet worden, heißt es vom SJD auf TAG24-Anfrage. Darunter sei versehentlich das besagte Magazin gewesen.
Nachdem es die Schüler entdeckt hatten, hätten es die Pädagoginnen sofort an sich genommen und die Geschehnisse eingeordnet.
"Wir bedauern, dass dieses Magazin Teil von den zur Verfügung gestellten Materialien war und dies zu Unwohlsein bei den Jugendlichen geführt haben kann", so die SJD-Bundesvorsitzende Micki Börchers.
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Kultusminister appelliert an Amadeu-Antonio-Stiftung
Gefördert wurde das Projekt von der linken Amadeu-Antonio-Stiftung, ebenfalls mit Sitz in Berlin, die die Förderung nach Bekanntwerden des Vorfalls umgehend kappte.
Das reicht Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) nicht. Er spricht von einem "ungeheuerlichen Vorgang": "Die Amadeu-Antonio-Stiftung muss so etwas dringend unterbinden, wenn sie weiter Projekte an Schulen fördern will."
In Dresden nutzt die sächsische AfD derweil den Umstand, dass sich "Paula und Alma", die Kursleiterinnen, als nicht binäre Personen vorstellten, und kündigt an, einen Antrag von 2023 auf ein Verbot von Gender-Projekten an sächsischen Schulen auszuweiten.
Für die Eltern der betroffenen Neuntklässler ist das alles nur bedingt zielführend. Sie stellen Anzeige. Nun ermittelt die Polizei wegen des Verdachts des Verbreitens pornografischer Inhalte an Personen unter 18 Jahren.
Erstmeldung vom 16. April, 10.13 Uhr. Letzte Aktualisierung am 16. April, 19.58 Uhr.
Titelfoto: Montage: PR, Thomas Türpe

