Nach tödlichem Streit und Fall aus Hochhaus: Zehn Männer schuldig gesprochen

Von Bernhard Sprengel

Hamburg - Elf Monate nach dem tödlichen Sturz eines 15-Jährigen aus einem Hochhaus hat das Landgericht Hamburg zehn Angeklagte schuldig gesprochen.

Die zehn Angeklagten stehen im Gerichtssaal neben ihren Anwälten im Prozess wegen besonders schweren Raubes mit Todesfolge.
Die zehn Angeklagten stehen im Gerichtssaal neben ihren Anwälten im Prozess wegen besonders schweren Raubes mit Todesfolge.  © Marcus Brandt/dpa

Sieben von ihnen wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Feststellung der Jugendkammer überfielen die elf Männer in der Nacht zum 14. April vergangenen Jahres die Wohnung eines Bekannten im Stadtteil Wilstorf.

Acht Männer stürmten die Wohnung, während die drei anderen Angeklagten vor dem Haus Schmiere standen.

Vorausgegangen waren mehrere gewaltsame Auseinandersetzungen.

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Als sich der Wohnungsinhaber weigerte, die Tür gegen 1 Uhr nachts zu öffnen, gingen die Angreifer mit Gewalt vor. Die Vorsitzende Richterin Ulrike Schönfelder beschrieb das Geschehen als "Szene wie aus einem Horrorfilm".

Angreifer schlugen dem Wohnungsinhaber mit der Faust ins Gesicht

Ulrike Schönfelder, Vorsitzende Richterin am Landgericht, verhandelt im Gerichtssaal den Prozess wegen besonders schweren Raubes mit Todesfolge.
Ulrike Schönfelder, Vorsitzende Richterin am Landgericht, verhandelt im Gerichtssaal den Prozess wegen besonders schweren Raubes mit Todesfolge.  © Marcus Brandt/dpa

Die bedrohten jungen Männer - nach damaligen Polizeiangaben drei im Alter zwischen 17 und 21 Jahren sowie der 15-Jährige - flüchteten auf den Balkon.

Einer von ihnen kletterte auf einen versetzten Balkon ein Stockwerk tiefer, wobei er sich nach Angaben der Richterin am Blitzableiter festhielt. Der 15-Jährige verlor jedoch den Halt und stürzte in den Tod.

Die Angreifer schlugen dem Wohnungsinhaber mit der Faust ins Gesicht. Erst als er rief: "Einer ist gestürzt, es sind Leute gestorben!", ließen die Angeklagten von ihm ab und flüchteten aus der Wohnung.

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Ein damals 17-Jähriger, den die Richterin als Rädelsführer bezeichnete, griff sich noch eine Tasche und ein Handy.

Polizei hörte alles mit an

Der 15-Jährige verlor den Halt und stürzte von dem Balkon.
Der 15-Jährige verlor den Halt und stürzte von dem Balkon.  © Jonas Walzberg/dpa

Minuten vor dem Überfall hatten die Überfallenen mit genau diesem Telefon die Polizei alarmiert. Bei der Flucht auf den Balkon hatte der Anrufer das Handy auf ein Sofa gelegt, ohne aufzulegen. Darum wurde das gut drei Minuten lange Tatgeschehen von der Polizei aufgezeichnet, wie Schönfelder erklärte.

Die Angeklagten und ihre Opfer kannten sich. Der 15-jährige Iraker habe zwei Tage vor der Tat zusammen mit dem Rädelsführer einen jungen Mann entführt, der bei einer gemeinsamen Geldwäschetransaktion seine EC-Karte hatte sperren lassen.

"Der Tote war kein Unschuldslamm", sagte Schönfelder über den nur einen Tag später vom Balkon gestürzten Jugendlichen.

Das Urteil: Haft und Antigewalttraining

Der 15-Jährige versuchte ein Stockwerk tiefer auf den Balkon zu klettern, um vor den Angreifern zu flüchten.
Der 15-Jährige versuchte ein Stockwerk tiefer auf den Balkon zu klettern, um vor den Angreifern zu flüchten.  © Jonas Walzberg/dpa

Das Gericht sprach sieben Angeklagte wegen besonders schweren Raubes und Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, drei weitere wegen Beihilfe. Der Rädelsführer erhielt eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Haft.

Mit sechs Jahren die höchste Strafe bekam ein 25-Jähriger, der wegen seines Alters nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde. Ein weiterer 18-Jähriger, der ein umfassendes Geständnis ablegte, erhielt zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Zwei junge Männer erhielten Schuldsprüche wegen Beihilfe und stehen bei Strafandrohung eines Jugendarrests für anderthalb Jahre unter Bewährung. Ein zehnter Angeklagter muss wegen Beihilfe ein Antigewalttraining absolvieren.

Ein mutmaßlicher Mittäter floh nach Angaben der Richterin nach Syrien. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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