Sie ist die Stimme in Hamburgs U-Bahnen: "Ein wirklich einmaliger Job!"

Hamburg - "Nächster Halt Jungfernstieg, Ausstieg rechts!" – Millionen Hamburger hören diesen Satz beinahe täglich. Morgens auf dem Weg zur Arbeit, abends nach Hause, irgendwo zwischen Kellinghusenstraße und Mümmelmannsberg. Die freundliche Frauenstimme aus den Lautsprechern gehört längst zum akustischen Inventar der Stadt. Wer dahintersteckt, wissen allerdings die wenigsten.

TAG24 traf Anke Harnack (46) am Donnerstag bei der Geburtstagsfeier des Elbe Einkaufszentrums im Hamburger Westen.  © Tag24/Madita Eggers

Tatsächlich spricht seit 13 Jahren eine einzige Frau sämtliche Ansagen in den U-Bahnen des Hamburger Verkehrsverbundes (hvv): die frühere NDR-Moderatorin Anke Harnack (46).

Die Arbeit dahinter sei weit weniger spektakulär, als viele vielleicht denken, wie die Wahl-Hamburgerin im TAG24-Gespräch verriet. "Wir haben die Stationen, das sind ungefähr 100 in Hamburg, alle einmal eingesprochen. Dann gibt es noch Ansagen wie 'Bitte alle aussteigen' oder 'Nächster Halt rechts oder links' Das sind alles Puzzleteilchen."

Einmal aufgenommen, reichen die Aufnahmen oft für Jahre. Nur wenn sich Strecken ändern, neue Haltestellen – wie zuletzt mit der "Horner Rennbahn" der Linie U4 – entstehen oder zusätzliche Hinweise notwendig werden, muss sie erneut ins Studio.

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Zudem sorgt der barrierefreie Ausbau des U-Bahn-Netzes regelmäßig für neue Aufnahmen: "Da gibt es Ansagen zu den Aufzügen und Ebenen, die spreche ich auch ein", so die 46-Jährige.

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Ihre Stimme gehört zum Alltag wie das Türsignal der Bahn

Für viele Hamburgerinnen und Hamburger gehört ihre Stimme inzwischen genauso selbstverständlich zum Alltag wie das Türsignal der Bahn. Dass sie allein an ihrer Stimme erkannt wird, komme allerdings nur selten vor.

Harnack selbst erlebt das bisweilen mit einer gewissen Irritation: "Es ist immer witzig, wenn ich selbst fahre und kurz denke: 'Oh, das bin ja ich'." Besonders ihr achtjähriger Sohn habe Freude daran. "Der sagt dann immer: 'Mama, das bist du'."

Dass inzwischen doch auch andere Fahrgäste sie erkennen, liege vor allem an den sozialen Medien, so Harnack. Vor einigen Monaten veröffentlichte ein TikToker einen Beitrag über die Frau hinter der Hochbahn-Stimme. "Der hat inzwischen eine halbe Million Views. Seitdem gucken mich die Leute in der U-Bahn wieder an und sagen: 'Oh, das ist sie doch'. Das ist schon spannend!"

Für sie selbst ist die Aufgabe längst mehr geworden als nur ein Sprecherjob. "Es ist ein Stück Hamburg und ein absolut, im wahrsten Sinne des Wortes, einmaliger Job", betont die 46-Jährige. "Ich sage wirklich: Das ist mein bester Job, obwohl ich darin jetzt ja nicht jeden Tag arbeite."

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"Großer Identifikationssound!" Die Hamburger Hochbahn setzt weiter auf menschliche Stimmen

Auch in Zukunft soll in Hamburgs U-Bahnen weiterhin eine menschliche beziehungsweise Anke Harnacks Stimme zu hören sein.  © Tag24/Madita Eggers

Zu dem Job kam sie eher zufällig. Harnack arbeitete damals als Radiomoderatorin beim NDR. Über eine damalige Medienpartnerschaft habe sich die Zusammenarbeit mit der Hochbahn schließlich ergeben.

Dabei sei es nie nur darum gegangen, Stationsnamen vorzulesen. Vielmehr sollte die Stimme möglichst menschlich wirken – und möglichst hamburgisch. "Wir haben ganz genau an allen Stationen gefeilt, dass sie alle richtig klingen. Dass sie wirklich so klingen, wie die Leute es sprechen, die da wohnen und nicht wie eine Computerstimme", so Harnack.

Manche Haltestellen seien überraschend kompliziert gewesen: "Ist es Flottbek oder Flottbeck? Heißt es Kiekut oder Kikut? Wie groß ist die Pause? Das war schon ein bisschen Friemelei".

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Damals habe sich der hvv bewusst gegen eine KI-Stimme entschieden. "Inzwischen wissen wir, dass die Computerstimmen sehr viel besser geworden sind. Aber ich habe mich neulich noch mal so ein bisschen im eigenen Interesse erkundigt und die Hochbahn setzt vorerst weiter auf die menschliche Stimme", sagt Harnack.

Vielleicht auch deshalb, weil die Ansagen für viele längst mehr sind als bloße Orientierung im Nahverkehr: "Es ist ja ein großer Identifikationssound. Tausende und abertausende Leute hören das jeden Tag, gewöhnen sich dran. Und so ein fremder Sound würde schon irgendwie wie so ein Ruckeln im System sein."

Mit dem weiteren Ausbau des Netzes, etwa der geplanten U5, die ab 2027 schrittweise in Betrieb gehen soll, könnten künftig noch weitere Stationen zu ihrem sprachlichen Portfolio hinzukommen.

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