Aus Überforderung entstanden: Einmaliges Notpflegeangebot für Obdachlose zieht Bilanz

Hamburg - Drei Jahre sind vergangen seit "Hoffnungsorte Hamburg" das Pilotprojekt eines Notpflegeangebots in der Bahnhofsmission Hamburg gestartet hat. Am Mittwoch zogen die Projektträger eine positive Bilanz der Pilotphase. Kann sich das bundesweit einmalige Projekt auch weiterhin finanzieren?

Die Verantwortlichen und Förderer des Notpflegeangebots zogen am Mittwoch Bilanz über die vergangenen drei Jahre des Pilotprojekts.  © Alice Nägle/TAG24

Mehr als 5000 Kontakte zähle die Anlaufstelle für medizinische Versorgung für Obdachlose seit seinem Start im April 2023. Über 1068 Menschen kamen mehr als einmal zu einer Behandlung in die Räumlichkeiten am Glockengießerwall unmittelbar neben dem Hauptbahnhof.

Ein Beleg dafür, dass das Notpflegeangebot keinen neuen Bedarf schaffe, sondern eine bereits bestehende, gravierende Lücke schließe. "Es ist ein Baustein der Gesundheit und Würde schützt", erklärte Geschäftsführer der "Hoffnungsorte Hamburg", Axel Mangat, bei der Pressekonferenz.

Entstanden sei das ganze Projekt aus "einer Überforderung der Mitarbeitenden", so Mangat.

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"Wir sind mit unserer Arbeit an unsere Grenzen gekommen. Wir konnten mit speziellen pflegerischen Bedürfnissen nicht umgehen. Wir haben versucht, zu vermitteln und festgestellt: Es gibt eigentlich kein Bewusstsein in der Wohnungslosenhilfe, dass pflegerische Bedarfe berücksichtigt werden müssen, es fehlt die Barrierefreiheit in fast allen Einrichtungen und auch die Menschen verfügen manchmal nicht über die Krankenversicherung, um überhaupt einen Zugang in das Hilfesystem zu bekommen", führt der Geschäftsführer aus.

An der Seite des Projektträgers stehen die Johanniter und Malteser, die das Angebot als ökumenischer Zusammenschluss ebenfalls fördern. Ramona Buchholz, Vorsitzende des Fördervereins "Pflegemission am Hamburger Hauptbahnhof" und Bezirksgeschäftsführerin der Malteser Hamburg sieht das Engagement als Teil des christlichen Auftrags.

"Für Menschen, die im Regelsystem keinen Zugang haben, ist es die einzige Möglichkeit, überhaupt pflegerische Hilfe zu bekommen: ohne Termin, ohne Krankenkassenkarte und direkt am Bahnhof", betonte Buchholz. Zudem gäbe es bei dem einzigartigen Angebot auch genügend Zeit, um die Betroffenen zu versorgen.

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Die Räumlichkeiten des Notpflegeangebots befinden sich am Glockengießerwall, unmittelbar am Hamburger Hauptbahnhof.  © Ralph Sondermann
Betroffene können sich bei dem Pflegeangebot der Bahnhofsmission unter anderem Wunden versorgen lassen, Ungezieferbehandlungen unterziehen oder auch duschen.  © Bente Stachowske

Mehr Zeit für Behandlungen als in der "normalen Pflege"

Kathrin Macke, Pflegefachkraft und Leiterin des Notpflegeangebots schätzt ihre Arbeit bei dem Projekt sehr.  © Bente Stachowske

Diesen Aspekt begrüßt auch Kathrin Macke, Pflegefachkraft und Leiterin des Notpflegeangebots.

Gegenüber TAG24 erklärte sie, dass man im Schnitt eine Stunde für die Versorgung eines Gastes in Anspruch nehmen könne. Manchmal dauere eine kleine Behandlung lediglich fünf Minuten, anderen hingegen zwei bis drei Stunden, je nach Aufwand und Anzahl der Anwendungen.

Das sei aber deutlich mehr als "in der normalen Pflege". "Das macht die Arbeit einfach so schön. Sie ist einfach auch sehr, sehr bereichernd. Man bekommt unheimlich viel zurück. Es ist schön, mit wenig Aufwand den Menschen schon helfen zu können."

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Betroffene können sich bei dem Pflegeangebot der Bahnhofsmission unter anderem Wunden versorgen lassen, Ungezieferbehandlungen unterziehen oder auch duschen.

Finanziert wurde das Pilotprojekt neben den genannten Förderern ebenso zu einem großen Teil durch die deutsche Fernsehlotterie, ergänzte Mangat. Diese laufe nun aus. Das Projekt könne demnach lediglich bis Ende des Jahres bestehen, da das Hamburger Spendenparlament einer Überbrückungsfinanzierung mit 80.000 Euro bis Jahresende zugestimmt hat.

Wie geht es danach weiter? Aufgrund des Erfolgs und der belegten Notwendigkeit des Projekts soll das Notfallpflegeangebot unbedingt weitergeführt werden, so die Projekt-Verantwortlichen. Derzeit hoffe man deshalb noch auf einen finalen Zuschlag zu einer Regelfinanzierung durch die Stadt Hamburg ab 2027.

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