Bis zu 151,4 Prozent mehr! Hamburg Energie dreht bei Gas und Strom an der Preisschraube

Hamburg - Kunden von Hamburg Energie müssen bald mehr für Strom und Gas zahlen. Das städtische Unternehmen kündigte am Mittwoch kräftige Preiserhöhungen ab Januar 2023 an. Bestandskunden bekommen einen Treuebonus.

Auch Strom sparen kann den saftigen Preisanstieg kaum abfedern. (Symbolbild)
Auch Strom sparen kann den saftigen Preisanstieg kaum abfedern. (Symbolbild)  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir erleben an den Energiemärkten bislang nie gekannte Preissprünge, die sich – wie bei allen anderen Versorgern – auch auf unsere Beschaffungskosten auswirken. Hauptursache für die Entwicklung an den Energiemärkten in diesem Jahr ist der Krieg in der Ukraine", sagte Geschäftsführer Michael Prinz laut Mitteilung.

Trotz Preiserhöhung setzt Hamburg Energie 20 Millionen Euro ein, um seine Kunden zu entlasten. Langjährige Bestandskunden sollen einen Treuebonus in Höhe von 140 Euro als Abschlag auf die Jahresrechnung erhalten. Außerdem sollen auch die geplanten staatlichen Hilfsmaßnahmen aus dem Entlastungspaket umgesetzt werden, sobald sie feststehen.

Im Ökostromtarif "Elbstrand" steigt der Arbeitspreis um 63,6 Prozent von derzeit 30,53 auf 49,95 Cent je Kilowattstunde (kWh). Auch beim Grundpreis wird es teurer. Er wird von 10,90 auf 13,30 Euro je Monat erhöht, das macht ein Plus von 22 Prozent.

Gaskunden trifft die Preiserhöhung ab Januar 2023 besonders hart

Wer mit Gas heizt, wird wohl bei keinem Anbieter um eine Preiserhöhung drumherum kommen. (Symbolbild)
Wer mit Gas heizt, wird wohl bei keinem Anbieter um eine Preiserhöhung drumherum kommen. (Symbolbild)  © Annette Riedl/dpa

Ein Durchschnittshaushalt mit zwei Personen, die im Jahr 2500 Kilowattstunden Strom verbrauchen, zahlt bislang monatlich 74,50 Euro. Demnächst sind es 117,36 Euro – 57,5 Prozent mehr. Durch den Treuebonus reduzieren sich die Mehrkosten auf etwa 31 Euro mehr im Monat (knapp 42 Prozent Plus).

Wer auf der Internetseite von Hamburg Energie nach diesem Preis sucht, wird ihn allerdings nicht finden. Offensichtlich bezahlen Neukunden mehr. Mindestens 53,74 Cent pro kWh werden fällig. Die Kosten steigen, wenn Haus oder Wohnung an einen anderen Netzbetreiber anstelle von Stromnetz Hamburg angeschlossen sind.

Besonders drastisch fällt die Erhöhung beim Gas aus. Beim Tarif "Alsterufer" steigt der Arbeitspreis von 7,45 auf 18,74 Cent je kWh – ein Plus von 151,4 Prozent! Der Grundpreis legt von 9,25 auf 9,67 Euro pro Monat (+4,5 Prozent) zu.

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Hamburg Energie rechnet vor, dass ein Durchschnittshaushalt mit zwei Personen und einem Jahresverbrauch von 18.000 kWh Gas künftig 290,77 Euro anstelle von 121 Euro zahlen muss. Eine Erhöhung um 140,3 Prozent. Durch den Treuebonus liegen die monatlichen Mehrkosten bei rund 158 Euro (+131 Prozent). Bei der Berechnung wurde bereits die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent berücksichtigt.

So bekommen Kunden von Hamburg Energie den Treuebonus

Hamburg Energie betriebt 22 eigene Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 55 Megawatt. (Archivbild)
Hamburg Energie betriebt 22 eigene Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 55 Megawatt. (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

Auch hier gilt der genannte neue Preis nur für Bestandskunden. Neuverträge haben einen Arbeitspreis von 29,08 Cent/kWh, steht auf der Internetseite des Anbieters.

Wer bekommt den Treuebonus? Laut Hamburg Energie sind das Bestandskunden, "die bereits seit über einem Jahr einen Privatkundentarif für Ökostrom- oder Gas haben" – also gar nicht so lange. Wer beides bezieht, soll jeweils 140 Euro erstattet bekommen. Der Energieanbieter verspricht, alle Kunden per Post über die Erhöhungen zu informieren. Und warum gibt es den Bonus?

"Wir haben über zehn Jahre den Ausbau von Wind- und Solarenergie und damit die Energiewende in Hamburg vorangetrieben. Unseren Kunden, die uns dabei begleiten, wollen wir jetzt in dieser schwierigen Zeit mit unserem Treuebonus etwas zurückgeben und den belastenden Preisanstieg für sie abfedern", sagte Geschäftsführer Prinz.

Hamburg Energie besteht seit 2009, weil der Senat einen städtischen Energieversorger haben wollte. Im Jahr 2022 fusionierte das Unternehmen mit dem rekommunalisierten Fernwärmenetz von Wärme Hamburg, beide sind seitdem unter dem Dach der Hamburger Energiewerke – nicht zu verwechseln mit den ehemaligen Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW), die Vattenfall gehören und bis 2002 ebenfalls mehrheitlich in öffentlicher Hand waren.

Titelfoto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

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