Bislang zwei Affenpocken-Fälle in Hamburg gemeldet

Hamburg - In Hamburg sind nach Angaben der Sozialbehörde bislang zwei Fälle von Affenpocken gemeldet worden. Dies teilte der Behördensprecher Martin Helfrich am Dienstagabend mit.

Der Oberarzt der Infektiologie am UKE, Stefan Schmiedel, spricht über den ersten bekannt gewordenen Affenpocken-Fall in Hamburg.
Der Oberarzt der Infektiologie am UKE, Stefan Schmiedel, spricht über den ersten bekannt gewordenen Affenpocken-Fall in Hamburg.  © Carola Große-Wilde/dpa

Weitere Details, insbesondere zu den Hintergründen der zweiten gemeldeten Infektion, wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Zuvor war bekannt geworden, dass ein 32-jähriger Patient seit Montag in der Bernhard-Nocht-Klinik des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt wird. Der Mann aus Hamburg hatte sich ambulant beim UKE vorgestellt, sagte Stefan Schmiedel, Oberarzt der Infektiologie am UKE, am Dienstag.

"Der Mann hatte einen ausgeprägten Hautausschlag, der sich insbesondere im Bereich der Genitalien abgezeichnet hatte und außerdem Fieber wie bei einer Grippe", sagte Schmiedel. Sofort eingeleitete Untersuchungen hätten wenige Stunden später den Verdacht auf Affenpocken bestätigt.

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Der Patient habe ein "mildes virales Syndrom", es handle sich im Wesentlichen um eine Hauterkrankung. Bei den meisten Betroffenen verlaufe die Krankheit mild.

Nur wenn bei den Patienten weitere Risikofaktoren vorlägen, wie zum Beispiel eine Immunschwäche, könne es zu schwereren Verläufen mit Komplikationen kommen. "Ich gehe davon aus, dass der Patient in Kürze in häusliche Isolierung entlassen werden kann", sagte Schmiedel.

Affenpocken: So ist die Lage in Deutschland

Mindestens ein Patient mit Affenpocken wird am UKE behandelt.
Mindestens ein Patient mit Affenpocken wird am UKE behandelt.  © Axel Heimken/dpa

Im Moment handele es sich in Deutschland um Einzelfälle mit engen, oft sexuellen, Kontakten. "Bei normalen sozialen Kontakten wurde bisher keine Übertragung nachgewiesen", sagte Schmiedel. "Wir gehen davon aus, dass das zunächst so bleibt." Trotzdem müsse die Krankheit ernst genommen werden.

"Die Gesundheitsbehörden sind europaweit alarmiert", sagte der Mediziner. Auch in Hamburg werde es noch am Dienstag ein Treffen des Hamburger Seuchenstabes geben, um über weitere Maßnahmen nachzudenken. "Man kann sich gut schützen, indem man enge Sexualkontakte meidet", sagte Schmiedel. Eine Impfung oder Medikamente gegen die Krankheit gebe es im Moment in Deutschland noch nicht.

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Betroffenen in Deutschland am Dienstag mit 33 an. Die Nachweise stammen demnach aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Das Besondere an den Fällen ist laut RKI, dass die Patienten zuvor nicht in jene Länder in Afrika gereist waren, in denen Affenpocken endemisch sind. Zudem könnten viele Übertragungen offenbar im Rahmen sexueller Aktivitäten passiert sein. "Soweit bekannt, erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer", hieß es.

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Dass die Fallzahlen weiter steigen, hatten Fachleute angesichts des ungewöhnlichen Ausbruchs in mehreren Ländern erwartet. Experten vermuten, dass das Virus schon eine Weile unbemerkt zirkulierte. Sie gehen davon aus, dass der Ausbruch begrenzt werden kann. Die Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein.

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Der Erreger wird laut RKI durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen.

Die Symptome, zu denen unter anderem ein Hautausschlag zählt, verschwinden laut RKI meist innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen führen.

Erstmeldung: 8.40 Uhr. Zuletzt aktualisiert: 19.59 Uhr.

Titelfoto: Carola Große-Wilde/dpa

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