Mit Schiffstauen fing alles an: Reeperbahn wird 400 Jahre alt - und so wird gefeiert
Hamburg - Happy Birthday, Reeperbahn! Die weltberühmte Straße im Hamburger Stadtteil St. Pauli wird 400 Jahre alt. 1626 fing alles an, allerdings ganz anders, als man es aus heutiger Sicht vielleicht erwarten würde. Historikerin Eva Decker (52) spannte am Dienstag bei der Pressekonferenz zum Jubiläumsjahr in einem beeindruckend kurzen Überblick den Bogen über vier Jahrhunderte Geschichte.
"Bei 400 Jahre Reeperbahn blicken wir genau genommen auf zwei große Kapitel der St.-Pauli-Geschichte", so Decker.
Das erste führe zurück ins 17. und 18. Jahrhundert - in eine Zeit, "in der wir unser St. Pauli ehrlich gesagt gar nicht mehr wiedererkennen würden". Das Gebiet hieß noch Hamburger Berg, war grün, kaum bebaut und lag zwischen den Stadttoren und dem damals noch dänischen Altona.
Seit 1626 arbeiteten hier die sogenannten Reepschläger, die ihre bis zu 250 Meter langen Schiffstaue für den Hafen auf bis zu 300 Meter langen Bahnen fertigten. Dabei war die "Reeperbahn" keine einzelne Straße, sondern ein ganzes Areal.
Welches im Zuge der Industrialisierung immer kleiner wurde: "1883 mussten die letzten Reepschläger gehen. Hamburg brauchte den Platz", so Decker weiter. Bereits zwei Jahre später wurde in der neu angelegten "Seilerstraße" das erste Gebäude auf dem Gelände eröffnet: eine Schule, das heutige Schulmuseum.
Sichtbare Spuren des alten Gewerbes gebe es jedoch noch immer: "in Form von zwei Linden, die noch immer im Hof des Schulmuseums stehen". Und auch der Name erinnert bis heute an das Handwerk: "Seit 1899 heißt die Reeperbahn Reeperbahn."
Mit der Industrialisierung begann auch das zweite große Kapitel der Reeperbahn: "Aus dem schwerlich bebauten grünen Hamburger Berg ist in rasender Geschwindigkeit ein dicht besiedelter Arbeiterstadtteil geworden", so Decker.
Der einstige Fahrweg zwischen Hamburg und Altona verwandelte sich dabei zu dem Amüsierboulevard mit internationalem Publikum, den wir heute als Reeperbahn kennen.
Die Historikerin betont, das Jubiläum sei zugleich eine Einladung zum Innehalten: "Wenn wir diese Gelegenheit nutzen, sehen wir vor allem den Wandel und Umbruch zweier Epochen." Und vielleicht stellt sich dabei die Frage: "Was bleibt - abgesehen von zwei Linden und einem Straßennamen?"
Weltpremiere zum Reeperbahn-Jubiläum: Erstes Panini-Sammelalbum für eine einzelne Straße
Das Jubiläumsjahr wird am 30. April 2026 auf dem Spielbudenplatz mit der "Reeperbahn Singsation" offiziell eröffnet.
Ein Festakt mit Fassanstich des extra für das Jubiläum von der "Astra St. Pauli Brauerei" gebrauten Biers durch Bürgermeister Peter Tschentscher (60, SPD) markiert den Auftakt. Alle Gäste sind ausdrücklich eingeladen, beim Song "Reeperbahn" von Udo Lindenberg mitzusingen.
Historisch und kulturell begleitet das Museum für Hamburgische Geschichte das Jubiläum mit Führungen, die die Geschichte der Reeperbahn von 1626 bis 2026 lebendig machen.
Ein besonderes Projekt ist ein eigenes Panini-Sammelalbum. Initiator Oliver Wurm sprach am Donnerstag von einer besonderen Premiere: "Ich glaube, das ist das erste Panini-Sammelalbum zu einer einzelnen Straße und hat es weltweit noch nie gegeben."
Auch die Olivia-Jones-Familie engagiert sich unter anderem mit 20 kostenlosen Bildungs-Kieztouren für Schulen, Vereine und Initiativen. Dragqueen Veuve Noire betont: "Für mich bedeutet die Reeperbahn wahnsinnig viel. Hier konnte ich anfangen, mein Leben zu leben. Wir stehen für Toleranz, Akzeptanz und Vielfalt."
Zahlreiche Kunstaktionen - von Jubiläumsfliesen bis zu großflächigen Installationen der "Faces of St. Pauli" - runden das Jubiläumsprogramm ab. Wie Quartiersmanagerin Julia Staron am Dienstag betonte, soll dieses jedoch laufend erweitert werden und jeder auf St. Pauli sei eingeladen, eigene Projekte unter das Dach des Jubiläums zu stellen.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

