Zu sozial für den Staat: Hamburger Limo-Hersteller soll Millionen zahlen

Hamburg - Das Finanzamt fordert von "Lemonaid" eine Steuerrückzahlung in Millionenhöhe. Doch das wollen sich die Gründer nicht gefallen lassen und starten eine Petition.

Mit einer neuen Kampagne, "Sozialer, als der Staat erlaubt", will "Lemonaid" auf die Missstände aufmerksam machen.
Mit einer neuen Kampagne, "Sozialer, als der Staat erlaubt", will "Lemonaid" auf die Missstände aufmerksam machen.  © Lemonaid

Schon wieder Ärger für das Hamburger Limonaden-Unternehmen. Bereits 2019 erlitten die Gründer von "Lemonaid" einen echten Zuckerschock, als das Fachamt Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt kritisierte, dass ihre Bio-Limo nicht süß genug sei, um sich Limonade nennen zu dürfen.

"Natürliche Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden – sondern der Normalfall sein", sagte Gründer Paul Bethke damals. Zusammen mit Partner Felix Langguth kämpfte er dafür, dass sich die Richtlinien ändern.

Drei Jahre später klopft nun das nächste Amt an die Tür: Das Finanzamt Hamburg fordert von dem Unternehmen eine "existenzbedrohende" Steuernachzahlung in Millionenhöhe.

Die Firma hat bereits sieben Millionen Euro für den guten Zweck gesammelt

Die Gründer des Sozialunternehmens: Paul Bethke (l.) und Felix Langguth.
Die Gründer des Sozialunternehmens: Paul Bethke (l.) und Felix Langguth.  © Lemonaid

Und das ist der Grund: Seit der Gründung der Firma 2009 überweist das Sozialunternehmen für jede verkaufte Flasche fünf Cent an den unabhängigen Verein "Lemonaid & ChariTea e. V.".

Nach Angaben des Unternehmens sind bis heute schon über sieben Millionen Euro zusammengekommen, mit denen Sozialprojekte in Afrika, Lateinamerika und Asien finanziert werden. Festgehalten ist dies in einem Sponsoringvertrag zwischen Firma und Verein.

"Uns wird vorgeworfen, dass uns für ein Sponsoring unseres gemeinnützigen Vereins die nötige Gegenleistung fehle.

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Die Zahlungen seien vielmehr eine 'Gewinnausschüttung' - als wäre die Bekämpfung globaler Ungerechtigkeit das Gleiche wie der Kauf einer Luxusjacht zum Privatvergnügen", machen die Gründer auf ihrer Website ihrem Ärger freie Luft.

Die Petition findet viele prominente Unterstützer

"Ein Irrsinn, der Sozialunternehmen generell betrifft. Diese absurde Rechtslage muss endlich geändert werden. Sonst sollte die Politik den Menschen, die wir auf unserer letzten Projektreise in Ruanda besucht haben, die Wahrheit ins Gesicht sagen: Werdet lieber Rennfahrer - dann könnt Ihr unterstützt werden", so Paul Bethke.

Um diesen Irrsinn zu beenden, haben Bethke und Langguth eine Petition gestartet, um "die absurde Rechtslage zu kippen und die Arbeit von Sozialunternehmen endlich nicht mehr zu verhindern - sondern zu ermöglichen".

Viele prominente Unterstützer machen ebenfalls auf die Petition aufmerksam. Darunter Axel Bosse (42), Clueso (42) und auch Joko Winterscheidt (43), der mit seiner Firma "Jokolade" ebenfalls ein Sozialunternehmen führt, welches gemeinnützige Projekte unterstützt.

"Mit 'Jokolade' will ich auch viel Gutes tun und deswegen engagiere ich mich jetzt hier. Es kann nicht sein, dass es in Deutschland lukrativer ist, ein Fußballverein zu unterstützen als einen sozialen Verein."

Titelfoto: Lemonaid

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