Cannabis-Checks: Landesweit einmaliges Projekt in Clubs
Von Jens Albes
Wiesbaden - Ein hessenweit einmaliges Pilotprojekt für Cannabis-Tests in Wiesbadener Clubs hat den Blick auf eine spezielle Gefahr für die Gesundheit gerichtet.
Zwar hätten sich bei der Analyse von Inhaltsstoffen dieser Droge entsprechend "glücklicherweise keine Hinweise auf Verunreinigungen durch synthetische Cannabinoide" ergeben, teilte die Landeshauptstadt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit.
Gerade bei selbst angebautem Cannabis sei allerdings mitunter eine zu hohe Feuchtigkeit gemessen worden, "was eine Gefährdung durch Schimmelsporen nach sich ziehen kann".
Beim sogenannten Drug Checking geht es laut der Stadt Wiesbaden um die niedrigschwellige sowie auch frühe Erkennung gesundheitsgefährdender Substanzen. Studien zeigten demnach, dass dies oft zu einem risikobewussteren Konsum oder sogar zu einem Verzicht auf Cannabis führe. Auch sollten ferner Kontakte zur Suchthilfe hergestellt werden.
Die Pilotphase soll zehn Veranstaltungen mit anonymen Besprechungen der Ergebnisse umfassen – unangekündigt, um ein unverfälschtes Bild des Konsumverhaltens für eine begleitende Bewertung mit anonymen Online-Fragebögen zu erhalten. "Bei bisher sieben begleiteten Veranstaltungen wurden insgesamt 42 Cannabisproben abgegeben".
Wenig Lust auf Fragebögen, viel Interesse an Suchthilfe
Nur insgesamt elf Clubbesucher hätten die entsprechenden Fragebögen ausgefüllt – jeweils mit einer positiven Bewertung des Drug Checking.
Ferner teilte die Kommune mit: Hinsichtlich teils ersten Kontakten zur Wiesbadener Suchthilfe "können wir sehr zufrieden sein. Es waren nach unserer Zählung mehr als 300 Interessierte zu Gesprächen am Informationsstand und es wurden circa 600 Substanz-Flyer sowie circa 1000 Safer Use- und Safer Party-Materialien ausgegeben."
Und was ist mit anderen Drogen? Nach früheren Angaben der Stadt Wiesbaden könnten die Testungen "umgehend auch auf im Nachtleben weit verbreitete psychoaktive Substanzen ausgeweitet werden, sobald das Land Hessen die von kommunaler Seite und Fachwelt schon lang eingeforderte Verordnung erlassen hat".
Dazu sei es weiterhin nicht gekommen, teilte die Landeshauptstadt nun mit.
Cannabis seit April 2024 in Deutschland teilweise legalisiert
Die Bundesregierung hatte vor bereits längerer Zeit den Weg für Modellprojekte freigemacht.
Der Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamtes, René-Maxime Gracien, erklärte beim Start des Pilotprojekts im Herbst 2025: "Drug Checking kann das Risiko beim Konsum psychoaktiver Substanzen wirksam reduzieren, ein Restrisiko besteht aber immer." Er fügte weiter an: "Empfehlenswert bleibt daher der vollständige Verzicht auf Rauschmittel – einschließlich Alkohol und Cannabis."
Die Wirklichkeit sei jedoch auch in Wiesbaden eine andere – daher die Notwendigkeit der Schadensminderung mit Clubtests. Das Gesundheitsamt wirke dabei mit.
Ob das Pilotprojekt nach zehn Veranstaltungen in Clubs fortgesetzt wird, ist nach Angaben der Landeshauptstadt noch nicht entschieden.
Cannabis war im April des Jahres 2024 in Deutschland teilweise legalisiert worden.
Titelfoto: Michael Brandt/dpa

