Großbrand in Darmstädter Forschungszentrum: Feuerwehr hat Brand endlich unter Kontrolle
Von Isabell Scheuplein, Oliver Pietschmann, Mona Wenisch, Jan Brinkhus
Darmstadt - Es ist endlich geschafft! Nach den mehrstündigen Löscharbeiten auf dem Gelände einer Darmstädter Forschungseinrichtung hat die Feuerwehr den Großbrand nach eigenen Angaben unter Kontrolle bekommen.
Die Löscharbeiten dauerten aber weiter an, sagte eine Sprecherin am Donnerstagabend zum Stand der Dinge. Es werde voraussichtlich auch noch die ganze Nacht zum Freitag eine Brandwache geben.
Bis zu 160 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz gewesen, um die Flammen auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung zu bekämpfen. Die genaue Schadenshöhe ist noch unklar, ein milliardenschweres Forschungsprojekt wird sich allerdings durch das Feuer verzögern.
Verletzt wurde glücklicherweise niemand.
Der Brand brach am Morgen gegen 6.20 Uhr, wie die Feuerwehr mitteile. Eine große Rauchsäule war weithin sichtbar. Das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung ist besonders für seine Beschleunigeranlage für Ionen bekannt.
Derzeit entsteht auf dem Gelände eine neue Anlage. Sie gilt als eines der größten Forschungsvorhaben der Welt, mehrere Milliarden werden investiert. Die Forschungen betreffen unter anderem die Entstehung des Universums.
Nach Auskunft des hessischen Forschungsministers Timon Gremmels (50, SPD) wird das Feuer zu Verzögerungen bei dem internationalen Forschungsvorhaben führen. Betroffen von dem Unglück ist nach bisherigen Erkenntnissen zwar nicht direkt die neue Anlage, aber die Stromversorgung einer bereits bestehenden Anlage zur Teilchenbeschleunigung.
Probelauf für Milliarden-Projekt verschiebt sich
Der entsprechende Termin für einen Probelauf des neuen Teilchenbeschleunigers, der für Dezember geplant sei, sei nach jetzigem Kenntnisstand leider nicht mehr zu halten, erklärte Gremmels.
Welche Auswirkungen das Feuer auf das Projekt in Gänze habe, müsse abgewartet werden.
"Insofern ist das heute auch ein schwarzer Tag für den Forschungsstandort", so der Minister.
Man gebe alles, dass das Großprojekt höchstens zeitlich etwas verzögert werde. Bisherigen Angaben nach sollte Ende 2027 mit ersten Experimenten und Ende 2028 auch mit dem neuen 1,1 Kilometer langen Beschleunigerring geforscht werden.
"Da bricht richtig was weg", sagte der Minister im Landtag mit Blick auf die Forschenden. Man werde nach dem Ende der Löscharbeiten eine Taskforce einsetzen, um zu schauen, wo man helfen könne. Es sollen seinen Worten nach alle Anstrengungen unternommen werden, um das Gebäude möglichst schnell wieder aufzubauen.
Der neue Teilchenbeschleuniger trägt den Namen "Fair" (Facility for Antiproton and Ion Research; Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen). Es handelt sich um ein internationales Kooperationsprojekt. 2024 war der Kostenrahmen mit rund 3,3 Milliarden Euro angegeben worden.
Nach Angaben eines Sprechers des Forschungszentrums ist das Feuer von einem Kurzschluss ausgelöst worden.
Sprecherin des Forschungszentrums spricht von dramatischer Situation
Betroffen sei die bereits bestehende Anlage zur Teilchenbeschleunigung. Der Kurzschluss sei bei der Vorbereitung auf ein Hochfahren der Anlage in deren Hochspannungsversorgung aufgetreten.
Die Feuerwehr setzte nach der Alarmierung ein Großaufgebot in Gang und sprach von einem erheblichen Sachschaden. Unterstützung erhielt die Darmstädter Wehr unter anderem vom Flughafen Frankfurt, der Firma Merck, aus Ludwigshafen sowie vom Betreuungszug des Roten-Kreuzes Darmstadt.
Es sei auf jeden Fall einer der größeren Einsätze, die sie in den vergangenen Jahren zu bearbeiten hatten, sagte ein Feuerwehrsprecher. Der Einsatz sei personell und materiell sehr aufwendig.
Eine Sprecherin des Forschungszentrums sprach von einer dramatischen Situation. Zum Ausmaß des Schadens gebe es noch keine Angaben. Der Werkschutz habe das Gelände geräumt. Die Mitarbeiter hätten den Ort verlassen. Die Bevölkerung wurde zeitweise in einem größeren Umkreis vor Brandgasen gewarnt.
Man solle Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungs- und Klimaanlagen abstellen.
"Es handelt sich um einen großen Brand, der eben entsprechend auch Rauchgas freigesetzt hat", sagte der Sprecher. Daher gebe es einen großen Messeinsatz, um nachzuweisen, dass keine Gefahrstoffe in die Umwelt freigesetzt wurden. "Für die Bevölkerung besteht nach wie vor keine Gefahr", hieß es am Nachmittag. Die Warnungen vor Geruchsbelästigung galten unter anderem auch für das fast 30 Kilometer entfernte Frankfurt sowie den Flughafen.
Erstmeldung: 9.43 Uhr, zuletzt aktualisiert: 20 Uhr
Titelfoto: 5VISION.NEWS

