Wieso braucht ein Krankenhaus einen "Gemeinsamen Tresen"?
Von Sandra Trauner
Frankfurt/Wiesbaden – Wer spontan selbst ins Krankenhaus geht, ist in Wahrheit nicht selten ein Fall für die Arztpraxis. Man bekommt dort aber oft keinen Termin oder es ist Wochenende. Dann sitzen die Patienten in der Notaufnahme.
Der Hintergrund ist, dass in Deutschland das sogenannte stationäre und das ambulante System – also Krankenhäuser und Arztpraxen – noch immer weitgehend getrennt sind und getrennt abgerechnet werden. Daher ist es extrem wichtig, dass die Patienten "ins richtige System gelotst" werden, wie Gesundheitsexperten das nennen.
Eine Idee, wie das gut funktioniert, heißt "Gemeinsamer Tresen". Zum ersten Mal wurde das im Klinikum Frankfurt-Höchst erprobt. Weil der Testlauf dort super funktioniert hat, sollte das Modell sogar bundesweit umgesetzt werden.
Bisher ist das aber nicht der Fall.
In Hessen haben neben Höchst nur das Klinikum Darmstadt und das Sana Klinikum Offenbach ein solches System etabliert. Anfang des Jahres folgte mit dem Frankfurter Bürgerhospital Klinik vier.
Der Tresen wird vom jeweiligen Krankenhaus und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen gemeinsam betrieben.
"Gemeinsamer Tresen": Und wie funktioniert das denn nun?
Wer behandelt werden möchte, ohne einen Termin zu haben, oder mit einem Rettungswagen kommt, wird dort empfangen. Die Mitarbeiter treffen dann eine Vorentscheidung, ob das ein Fall für den stationären oder den ambulanten Sektor ist.
In Fall eins setzt sich der Patient ins Wartezimmer der Notaufnahme. Im zweiten Fall wird er an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) weitergeleitet.
Das ist eine Art Nacht- und Wochenendbereitschaft der Ärzte, die von der KV organisiert wird.
Praktischerweise muss man das Krankenhaus dafür nicht verlassen: Der ÄBD ist kürzlich vom Uniklinikum ins Bürgerhospital umgezogen.
Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

