Heute vor 30 Jahren: Ein Mann entdeckte die Bombe bei Olympia – und geriet selbst unter Verdacht
Heute vor 30 Jahren, am 27. Juli 1996, riss eine Explosion die Menschen aus ihrer Feierlaune, als inmitten der friedlichen Atmosphäre der Olympischen Sommerspiele in Atlanta eine Rohrbombe detonierte. Der Anschlag kostete zwei Menschen das Leben, mehr als einhundert weitere wurden verletzt.
Viele weitere Ereignisse sind unter "heute vor ... Jahren" aufgelistet.
Der Sprengsatz war in einem Rucksack versteckt und in einem öffentlich zugänglichen Bereich des Centennial Olympic Parks, einem beliebten Treffpunkt während der Sommerspiele für Gäste aus aller Welt, abgelegt worden.
Der Sicherheitsmitarbeiter Richard Jewell entdeckte das verdächtige Gepäckstück und alarmierte die Einsatzkräfte, welche auch sofort mit der Evakuierung begannen. Allerdings detonierte die Bombe noch während der Räumung.
Dabei kam eine Frau ums Leben, ein Kameramann starb später an einem Herzinfarkt. 111 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.
Durch das schnelle Eingreifen der Sicherheitskräfte konnten jedoch zahlreiche Besucher und Besucherinnen den unmittelbaren Gefahrenbereich rechtzeitig verlassen, wodurch vermutlich noch mehr Opfer verhindert wurden.
Trotz des Attentats wurden die Olympischen Spiele nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt.
Falsche Verdächtigungen gegen den Wachmann
Anschließend sorgten die Ermittlungen für großes Aufsehen. Zunächst geriet nämlich Richard Jewell selbst, also derjenige, der den Rucksack entdeckt und gemeldet hatte, ins Visier der Behörden. Er wurde zwar nie angeklagt, stand aber zeitweise im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit bzw. unter erheblichen öffentlichen Verdacht.
Hintergrund war unter anderem ein Ermittlungsansatz, nach dem Täter in Einzelfällen zunächst als Helfer auftreten könnten, um später als Helden wahrgenommen zu werden. Für diese Vermutung fanden die Ermittler jedoch keine ausreichenden Beweise.
Obwohl Jewell entlastet wurde, litt sein Ruf lange unter der öffentlichen Verdächtigung. Er führte mehrere Klagen gegen Medienunternehmen wegen ihrer Berichterstattung. Einige Verfahren endeten mit außergerichtlichen Einigungen, andere wurden unterschiedlich entschieden.
Später arbeitete Jewell wieder im Bereich der Strafverfolgung, unter anderem als Polizeibeamter in Georgia.
Richard Jewell soll sich nie gänzlich von den falschen Vorwürfen erholt haben. 2007 starb er als gebrochener Mann mit nur 44 Jahren.
Wer war der wahre Täter?
Erst Jahre danach identifizierten die Ermittlungsbehörden Eric Rudolph als Täter. Nach seiner Festnahme 2003 bekannte er sich schuldig, den Anschlag in Atlanta sowie weitere Bombenanschläge in den USA, darunter auf Abtreibungskliniken sowie Homosexuellen-Bars, verübt zu haben.
Nach Angaben der ermittelnden Behörden handelte Rudolph aus ideologischen Motiven. Er wollte die Olympischen Spiele als internationales Symbol der USA angreifen und Aufmerksamkeit für seine regierungsfeindlichen sowie extremistischen Ansichten gewinnen.
Schließlich wurde er 2005 zu mehreren lebenslangen Freiheitsstrafen ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt. Der Todesstrafe entging er nur, weil er sich kooperativ zeigte.
Titelfoto: Screenshot/YouTube/FORGOTTENHISTORYCHANNEL
