Heute vor 119 Jahren, am 29. August 1907, stürzte die noch nicht fertiggestellte Québec-Brücke in Kanada ein. 86 Arbeiter befanden sich auf der Konstruktion, als die Stahlteile versagten. Die Katastrophe hatte eine ungewöhnliche Vorgeschichte – und es war nicht der letzte Einsturz dieser Brücke.
Welche Ereignisse sich außerdem jähren, erfährst Du hier: heute vor ... Jahren.
Die Québec-Brücke über den Sankt-Lorenz-Strom (Provinz Québec, Kanada) sollte eine wichtige Eisenbahnverbindung schaffen und mit einer Hauptspannweite von rund 549 Metern eine außergewöhnlich große Stahlkonstruktion werden. Baubeginn war der 2. Oktober 1900.
Während des Baus traten jedoch Verformungen an Teilen des Tragwerks auf, worüber der sich vor Ort befindende leitende Ingenieur Norman McLure Bedenken äußerte. Diese wurden vorerst allerdings nicht ernst genommen.
Am 29. August 1907 spitzte sich die Lage zu. Der beratende Ingenieur Theodore Cooper telegrafierte an die Phoenix Bridge Company, es solle zunächst keine weitere Last auf die Brücke gebracht werden. Die Warnung erreichte die Baustelle aber nicht rechtzeitig.
Um 17.32 Uhr versagten schließlich die fehlerhaften Brückenteile. Innerhalb von 15 Sekunden stürzten der südliche Teil und ein Teil des Mittelbereichs ein.
Von den 86 Arbeitern, die sich zu diesem Zeitpunkt auf der Konstruktion befanden, kamen mindestens 75 ums Leben, darunter 33 Angehörige aus dem Mohawk-Reservat in Kahnawake (Québec, Kanada).
Die Fehler hinter dem Einsturz
Die anschließende Untersuchungskommission führte den Einsturz auf mehrere Fehler sowohl bei der Konstruktion als auch ihrer Überprüfung zurück.
Die Brücke stürzte demnach nicht einfach wegen ihres hohen Gewichts ein. Das Problem war, dass entscheidende Druckglieder fehlerhaft konstruiert waren und sich unter der Belastung verformten bzw. ausknickten. Als diese Bauteile versagten, konnte die Konstruktion die Last nicht mehr tragen und der Ausleger brach zusammen.
Außerdem wurden insbesondere Mängel beim Entwurf, eine unzureichende Prüfung durch die verantwortlichen Ingenieure sowie das Fehlen eines fachkundigen Chefingenieurs genannt.
Dennoch geht aus dem Abschlussbericht hervor: Wäre die Baustelle durchgehend von einem erfahrenen und kompetenten Chefingenieur betreut worden, hätte die akute Einsturzgefahr in den Stunden zuvor richtig erkannt und entsprechend gehandelt werden können.
Damit wäre zwar vielleicht nicht der Einsturz verhindert worden, aber zumindest die hohe Zahl der Todesopfer.
Neun Jahre später wiederholte sich die Katastrophe
Der Einsturz von 1907 bedeutete nicht das Ende des Projekts. Der Brückenbau wurde mit einem überarbeiteten Entwurf fortgesetzt.
Dann passierte das Unfassbare erneut: Am 11. September 1916 versagte beim Anheben der neuen Mittelspannweite ein Bauteil. Die rund 195 Meter lange Konstruktion stürzte in den Sankt-Lorenz-Strom.
13 Arbeiter kamen dabei ums Leben, mehr als 14 weitere wurden verletzt. Die Trümmerteile liegen immer noch im Fluss.
1917 wurde die Québec-Brücke schließlich fertiggestellt. Am 17. Oktober fuhr der erste Zug über den Sankt-Lorenz-Strom. Die offizielle Einweihung folgte 1919.
Die Québec-Brücke steht bis heute – ihr Bau und ihre Geschichte sind jedoch untrennbar mit zwei Einstürzen verbunden.