Heute vor 74 Jahren: Ein verhängnisvolles Paket, das Geschichte schreiben sollte

Heute vor 74 Jahren, am 27. März 1952, scheiterte das Attentat auf Konrad Adenauer. Zu einem Todesfall kam es dennoch.

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Heute vor 74 Jahren war Konrad Adenauer Ziel eines Attentats. Dieses missglückte, traf jedoch jemand anderes. (Symbolbild)
Heute vor 74 Jahren war Konrad Adenauer Ziel eines Attentats. Dieses missglückte, traf jedoch jemand anderes. (Symbolbild)  © Wikimedia Commons/CC-BY-SA-3.0/KAS-ACDP/Peter Bouserath

Mithilfe einer Briefbombe war ein Attentat auf den westdeutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer geplant. Das verhängnisvolle Paket wurde jedoch von zwei aufmerksamen Jungen bei der Münchner Polizei abgegeben, anstatt versandt.

Diese hatten es von einem Mann mit der Bitte bekommen, es zur Post zu bringen. Er selbst hätte es zu eilig. Bei seinem Verhalten schöpften die Jungen jedoch Verdacht und brachten es zur Polizei.

In dem Paket an den Bundeskanzler sollte der Kleine Brockhaus, Band zwei in einem Schuber verschickt werden. Versteckt waren darin jedoch 500 Gramm Sprengstoff.

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Bei dem Versuch, das Paket zu öffnen, explodierte es, wobei Sprengmeister Karl Reichert tödlich verletzt wurde. Zwei weitere Beamten wurden ebenfalls schwer sowie drei weitere leicht verletzt.

Wer steckte hinter dem Attentat?

Als Absender war "Prof. Dr. Erich Berghof, Frankfort.a/M, Bernheimer LandsTr. 26" angegeben - eine Schreibweise, die gegen einen deutschsprachigen Täter sprach.

Ermittlungen deuteten immer mehr auf israelische Oppositionelle als Täter. Eine Organisation jüdischer Partisanen bekannte sich später zu der Tat. Ihr Ziel soll es gewesen sein, die Annäherung der BRD und Israel zu sabotieren.

Fünf Tatverdächtige wurden in Frankreich festgenommen. Ein gerichtsfester Nachweis gelang allerdings nie. Nur der mutmaßliche Bombenbauer, Elieser Sudit, wurde für vier Monate inhaftiert und dann ausgewiesen. Er behauptete Jahre später, Menachem Begin - damals Oppositionspolitiker und später Premierminister - sei der Drahtzieher gewesen.

Dieser war Gegner der Wiedergutmachungsleistungen. Deutsches Geld könne vergossenes jüdisches Blut nicht mehr gut machen.

Reaktion und Aufarbeitung des Falls

Auffallend unauffällig ist auch der Umgang mit dem Attentat. Obwohl es sich um das erste, aber auch einzige tödliche Attentat im Zusammenhang mit einem Bundeskanzler handelte, wurde der Fall erstaunlich zurückhaltend behandelt.

Mit Erkenntnis der internationalen und politischen Motive wurde der Fall zum einen immer mehr bagatellisiert und das Interesse an der Aufklärung des Falls schwand. Zum anderen wurde es generell nicht so groß thematisiert, wie man erwarten würde. Sowohl in Adenauers Memoiren als auch in Kabinettsprotokollen sind nur kurze Notizen erwähnt.

Ein offener Konflikt mit Israel hätte den Annäherungsprozess massiv gefährden können.

Daher geriet das Attentat fast in Vergessenheit, bis es 2003 durch Recherchen von Journalist Henning Sietz für sein Buch erneut thematisiert wurde.

Titelfoto: Wikimedia Commons/CC-BY-SA-3.0/KAS-ACDP/Peter Bouserath

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