Heute vor 140 Jahren, am 13. Juni 1886, verschwand König Ludwig II. beim Abendspaziergang – Stunden später wurde er leblos im Starnberger See gefunden. Offiziell gilt Ertrinken als Ursache, doch viele Details bleiben ungeklärt und sein Tod gibt bis heute Rätsel auf.
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König Ludwig II. regierte Bayern von 1864 bis 1886. Er wurde vor allem für seine Bauprojekte bekannt, darunter Schloss Neuschwanstein in Schwangau (Bayern) und Schloss Herrenchiemsee im Landkreis Rosenheim (ebenfalls Bayern), was ihm auch den Beinamen "Märchenkönig" einbrachte.
In seinen letzten Regierungsjahren zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und widmete sich intensiver seiner Bauleidenschaft, wodurch nicht nur der private, sondern bald auch der staatliche Schuldenberg erheblich anstieg.
Vermutlich war dies einer der Gründe, die die bayrische Regierung dazu veranlasste, Ludwig II. politisch zu entmachten und für regierungsunfähig zu erklären.
Schließlich wurde er unter anderem von dem angesehenen Psychiater Bernhard von Gudden in einem Gutachten vom 8. Juni 1886, welches ausschließlich auf Zeugenaussagen beruhte und ohne persönliche Untersuchung erstellt wurde, als "seelengestört" und folglich als dauerhaft regierungsunfähig eingestuft.
Bereits am darauffolgenden Tag wurde Ludwig II. entmündigt und kurz darauf von seinem damaligen Aufenthaltsort in Neuschwanstein nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht.
Die letzten Stunden des Märchenkönigs
Am Abend des 13. Juni 1886 verließ Ludwig II. gemeinsam mit dem nun ebenfalls anwesenden Bernhard von Gudden das Schloss zu einem Spaziergang entlang des Seeufers. Pflege- oder Wachpersonal, das sich zur Aufsicht und Betreuung mit vor Ort befand, wurde an diesem Abend im Schloss zurückgelassen.
Nachdem weder der König noch sein Arzt nach etwa eineinhalb Stunden zurückgekehrt waren, begann die Suche nach den beiden. Wenig später wurden ihre Leichen im flachen Uferbereich des Sees entdeckt. Der genaue Fundort lag nahe dem Schlossgelände.
Die damalige Untersuchung nennt Ertrinken als Todesursache. Allerdings entspricht die medizinische Begutachtung nicht den heutigen Standards.
Was bis heute unklar ist
Auch heute noch sind mehrere Details ungeklärt. Dazu zählen der genaue Ablauf des Spaziergangs, die Umstände von Guddens Tod sowie die Frage, wie es zur Situation im Wasser kam. Unterschiedliche Berichte aus der Zeit weichen in einzelnen Punkten voneinander ab. Gesicherte Belege für alternative Erklärungen existieren nicht.
Neben der offiziellen Erklärung kursieren daher diverse verschiedene Theorien - darunter ein Fluchtversuch mit tödlichem Ausgang, ein möglicher Herzschlag, Selbstmord nach vorheriger Ermordung des Mediziners oder auch Fremdeinwirkung etwa durch einen gezielten oder versehentlichen Schuss. Klare Belege für eine dieser Versionen gibt es jedoch nicht.
Bernhard von Gudden wird heute zwar als bedeutender Reformpsychiater angesehen, sein Gutachten zur angeblichen Geistesgestörtheit von König Ludwig II. wird jedoch kritisch bewertet.
So fand bei einer erneuten Prüfung der historischen Akten im Jahr 2003 der Psychiater Heinz Häfner keine belastbaren Hinweise auf eine schwere psychische Erkrankung. Das ursprüngliche Gutachten wird daher als umstritten und möglicherweise politisch beeinflusst gesehen.
Besonders tragisch: Sollte von Gudden den Zustand Ludwigs am 13. Juni 1886 tatsächlich falsch eingeschätzt haben, hatte das womöglich den tödlichen Ausgang für ihn selbst zur Folge.