Perfide Esoterik-Falle: So zocken vermeintliche Wunderheilerinnen labile Frauen ab
München - Sie sprechen von Auren, Chakren und Erzengeln und ziehen ihren Opfern dabei das Geld aus der Tasche. Die Münchner Kriminalpolizei ermittelt derzeit in mehreren Strafverfahren gegen vermeintliche "Aura-Leserinnen" und "Wunderheilerinnen" wegen Betrugs. Die Masche ist perfide, professionell einstudiert und offenbar äußerst lukrativ.
Die Täterinnen sind fast immer Frauen, ihre Opfer ebenfalls. Laut Polizeiangaben suchen sich die Betrüger Frauen in sensiblen Lebensphasen: nach Trennungen, bei Krankheit, familiären Konflikten oder bei einem generellen Interesse an Spiritualität und Esoterik.
Die Opfer werden gezielt "in gehobenen Innenstadtlagen, Parkanlagen, auf Wochenmärkten, in oder vor Kirchen, Yogastudios oder Krankenhäusern angesprochen", so die Polizei.
Die Gespräche laufen dabei immer ähnlich ab. Zunächst wird die "besondere", oftmals "lila Aura" der Opfer gelobt. Kurz darauf wird jedoch eine dunkle Seite, welche angeblich auf dem Opfer lastet, thematisiert - zumeist blockierte "Chakren".
Mit geschickter Gesprächsführung bauen die Täterinnen Vertrauen auf. Nicht selten wird das Gespräch bei einem gemeinsamen Kaffee vertieft.
"Was ist es Ihnen wert?": Esoterik-Betrügerinnen sollen Frauen gezielt manipuliert haben
Dann beginnt das Ritual-Spiel: Termine werden vereinbart, Kerzen sollen zu bestimmten Uhrzeiten angezündet, Rosenblütenbäder genommen werden. Währenddessen, so die Behauptung, bete die "Wunderheilerin" zu Hause und übernehme die negative Energie des Opfers oder dessen Angehöriger. Weihwasserfläschchen, Kräuter, Heiligenbilder und Verweise auf Erzengel sorgen für eine spirituelle Kulisse, die Eindruck hinterlässt.
Besonders raffiniert: Es wird selten offen nach Geld gefragt. Stattdessen stellen die Täterinnen die scheinbar harmlose Frage, "was es einem denn wert sei". Emotionaler Druck, Angst vor Unglück und Schuldgefühle erledigen den Rest.
Nach mehreren Treffen bringen die Täterinnen ein vermeintliches Erbe ins Spiel, das die Opfer besonders belasten würde und das daher "gereinigt" werden müsste. Damit werden plötzlich hohe Geldbeträge gerechtfertigt, die als "Opfergaben" deklariert werden.
Die Polizei geht davon aus, dass viele dieser Täterinnen äußerst erfahren sind und teils gewerbsmäßig vorgehen. Die Gesprächsabläufe wirken routiniert, fast skriptartig. Besonders brisant: Viele Geschädigte schweigen aus Scham oder Angst vor angeblichen negativen Folgen, weshalb die Ermittler von einem hohen Dunkelfeld ausgehen.
Zeugenaufruf der Kriminalpolizei München
Wer wurde kürzlich in ähnlicher Weise angesprochen oder Opfer eines solchen Vorgehens? Wem sind Personen bekannt, denen größere Mengen an Geld oder Wertgegenständen in diesem Zusammenhang abhandengekommen sind?
Zeugen werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 61, Telefonnummer 08929100, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.
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