Von Martin Oversohl
Heilbronn - Ein Draht, kaum zu sehen, etwa auf Brusthöhe gespannt – und ein Mann, der offenbar gehofft hat, dass Mountainbiker auf dieser Strecke nicht mehr rechtzeitig bremsen können.
Dieser Verdacht steht in den kommenden Wochen im Raum, wenn vor dem Landgericht Heilbronn gegen einen 61-jährigen Jagdpächter verhandelt wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor.
Zu Prozessbeginn zeigte sich der Angeklagte reumütig. Ja, er habe zwischen Juni und August 2024 mehrfach Drahtseile über den sogenannten Dachstrail gespannt, eine bei Mountainbikern beliebte, aber illegale Strecke zwischen den Orten Eberstadt und Grantschen nahe Heilbronn.
Der erste Draht riss beim Durchfahren oder wurde entdeckt – ohne dass jemand verletzt wurde. Dann spannte der Mann einen stabileren Draht, auf 1,20 Meter Höhe, kaum zu sehen.
Und nein, ihm sei es lediglich um eine Abschreckung und um ein Signal gegangen, erklärte der Gartenbauer in einem Statement, das seine Verteidigerin zu Prozessbeginn verlas. Er habe lediglich die Tiere und die Natur schützen und die Strecke unattraktiv machen wollen. "Ich habe die zunehmende Nutzung des Trails als massives Problem für die Wildtiere und andere Waldbesucher erlebt", sagte er.
Und beteuert: "Ich habe niemals in Kauf nehmen wollen, dass ein Mensch zu Tode kommt." Doch aus Sicht der Staatsanwaltschaft war die Aktion mehr als ein Signal – sie war lebensgefährlich.
Angeklagter: "Absolut falsche Entscheidung"
Dabei hatte ein Mountainbiker aus Eberstadt den ersten Draht schon entdeckt, bevor etwas passieren konnte. Auch einen stabileren weiteren Draht bemerkte er später und konnte erneut rechtzeitig in die Bremsen greifen. "Wenn ich schneller gefahren wäre, hätte ich ihn wahrscheinlich nicht gesehen", sagte er.
Über Jahre habe er sich bemüht, die Nutzung auf legale Weise zu unterbinden, ließ der Jagdpächter aus Hardthausen (Kreis Heilbronn) erklären. Er habe auch immer wieder versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und gebeten, eine andere Strecke zu nutzen. Auch aufgehängtes Flatterband sei ignoriert worden.
"Leider kam von den Bikern auf all meine Bemühungen hin keine Reaktion" – im Gegenteil sei der Trail immer intensiver genutzt worden. Dennoch räumte er ein, es sei "eine absolut falsche Entscheidung gewesen", die Drähte zu spannen.
Die Staatsanwaltschaft sieht das nüchtern: Der erste Draht riss. Also spannte der Mann einen festeren. "Er entschloss sich daher, die nächste Eskalationsstufe in Angriff zu nehmen", sagte die Staatsanwältin. Genau das erfülle das Mordmerkmal der Heimtücke.