Prozess nach Frontalcrash mit Tempo 150 und drei Toten: "Bin ein normaler entspannter Fahrer"

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Von Tatjana Bojic

Balingen - Im Prozess um einen verheerenden Unfall mit drei Toten und vier Schwerverletzten nach einem missglückten Überholmanöver bei Haigerloch (Zollernalbkreis) hat der Angeklagte bestritten, zu schnell und rücksichtslos gefahren zu sein.

Der Wagen kollidierte mit einem Transporter - mit verheerendem Ausgang. Nun soll das Verfahren vor dem Landgericht Hechingen fortgeführt werden.
Der Wagen kollidierte mit einem Transporter - mit verheerendem Ausgang. Nun soll das Verfahren vor dem Landgericht Hechingen fortgeführt werden.  © Tom Weller/dpa

"Ich bin ein ganz normaler entspannter Fahrer", sagte der 33-Jährige vor dem Amtsgericht Balingen. Der Unfallverursacher muss sich dort unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Der Angeklagte führte an, dass möglicherweise Ölflecken auf der Fahrbahn für das Schleudern seines Fahrzeugs und das Unglück ursächlich sein könnten.

"Das Auto hat sich verhalten, wie es sich nicht verhalten sollte." Wieso das Fahrzeug, das er gut kannte, außer Kontrolle geraten ist, könne er sich nicht erklären. 

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Einen Antrag der Nebenklage, das Verfahren an das Landgericht Hechingen zu verweisen, wo längere Gefängnisstrafen drohen, wies Richterin Birgit Goßger ab. Die Nebenklagevertreter wollten prüfen lassen, ob ein vorsätzliches Tötungsdelikt oder gar Mord vorliegt.

Die Hinterbliebenen fragten sich zu Recht, wie viele Menschen noch sterben müssten, bevor jemand mehrere Jahre in Haft müsse, argumentierten sie.

Angeklagter: "Auto war mein Jugendtraum"

Der 33-Jährige äußerte sich vor Gericht und wies die Vorwürfe zurück.
Der 33-Jährige äußerte sich vor Gericht und wies die Vorwürfe zurück.  © Christoph Schmidt/dpa

Der Angeklagte habe bei der bewussten Hochrisikofahrt und einer Geschwindigkeit von mehr als 150 Kilometern pro Stunde mit seinem 440 PS starken Sportwagen Rücksichtslosigkeit, Gleichgültigkeit und eine verachtenswerte Gesinnung an den Tag gelegt.

Er habe die Gefahr erkannt, sie aber bedenkenlos und rücksichtslos beiseitegeschoben, sagte Nebenklagevertreter Lasse Jonek. Es sei eine bewusste Hochrisikofahrt mit tödlichem Ausgang gewesen.

Laut dem Angeklagten war er an dem Unfalltag mit seiner Freundin nach Sindelfingen unterwegs gewesen, um Möbel einzukaufen, da sie zusammenziehen wollten. Sie seien beide entspannt gewesen, niemand habe es eilig gehabt, fügte die Verteidigerin des Mannes, Margret Haimayer, hinzu. 

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Seine Geschwindigkeit beim Überholen gab er mit höchstens 110 Kilometern pro Stunde an. Das Auto sei in einem einwandfreien technischen Zustand gewesen. Es sei die erste Ausfahrt des "Schönwetterfahrzeugs" in dem Jahr gewesen. "Das Auto war mein Jugendtraum. Es war mein Leben".

Drei Menschen starben bei Unfall

Bei dem schweren Unfall in Haigerloch kamen drei Menschen ums Leben, vier Menschen erlitten schwere Verletzungen.
Bei dem schweren Unfall in Haigerloch kamen drei Menschen ums Leben, vier Menschen erlitten schwere Verletzungen.  © Freiwillige Feuerwehr Haigerloch

Am 8. März 2025 hatte der Angeklagte laut Anklage bei einem Überholversuch die Kontrolle über seinen Mustang verloren und war annähernd frontal in einen entgegenkommenden Transporter geprallt.

Der 44 Jahre alte Fahrer des Transporters sowie zwei Mitfahrer starben infolge der Verletzungen, die sie bei dem Unfall auf der Bundesstraße 463 erlitten. Der 33-Jährige und seine Mitfahrerin wurden schwer verletzt. In dem Transporter wurden ebenfalls zwei Menschen schwer verletzt.

Der 33-Jährige soll unter grober Außerachtlassung der im Straßenverkehr erforderlichen Sorgfalt gehandelt haben, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage.

"Dies hatte zur Folge, dass der Angeschuldigte die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und dieses ins Schleudern geriet." Laut Anklage soll der damals 32-Jährige trotz eines bereits überholenden Autos abrupt ausgeschert und stark beschleunigt haben.

Erstmeldung um 11.57 Uhr, aktualisiert um 16,03 Uhr.

Titelfoto: Bildmontage: Tom Weller/dpa, Christoph Schmidt/dpa

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