Mord aus Rache auf Fest? Angeklagter schweigt vor Gericht
Von Irena Güttel
Nürnberg - War es Mord aus Rache für ein Gewaltverbrechen vor vielen Jahren? Auf einem kurdischen Neujahrsfest mit rund 1000 Gästen soll ein 43-Jähriger seinen Cousin erstochen haben.
Zu Beginn des Mordprozesses vor dem Landgericht in Nürnberg schwieg der Syrer zu den Vorwürfen. Die Verteidigung hat indes Zweifel, ob es sich bei der Tat überhaupt um Mord handelt.
Für die Staatsanwaltschaft steht jedoch fest: Es war Mord aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke.
Das Motiv: Der Cousin soll angeblich die Schwester des Angeklagten vor ungefähr 20 Jahren in Syrien getötet haben.
"In diesem Verfahren geht es nicht um die Frage, ob ein Mensch getötet wurde", sagte Verteidiger Maximilian Bär. Es gehe vielmehr um die strafrechtliche Würdigung.
Dass der Angeklagte aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke gehandelt habe, stehe nicht fest. Eine Verurteilung wegen Mordes sei daher nicht möglich.
Trotz zahlreicher Festgäste: Keine Zeugen für die Tat
Es habe Drohnenaufnahmen von dem Fest und angesichts der vielen Gäste potenziell viele Zeugen gegeben, sagte Bär. "Dennoch gibt es keinen einzigen Zeugen, der die Tathandlung an sich gesehen hat."
Das bestätigt vor Gericht auch eine Polizistin, die als eine der Ersten am Tatort war. Viele der befragten Gäste hätten aus zweiter oder dritter Hand von dem Tötungsdelikt erfahren. Augenzeugen habe es aber nicht gegeben.
Das Landgericht hat zwölf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil könnte die Kammer Ende Februar verkünden.
Titelfoto: Daniel Karmann/dpa
