Von Marion van der Kraats, Anne Baum
Berlin - Ein Palliativarzt steht in Berlin wegen Mordes vor Gericht, weil er mindestens 15 Patienten getötet haben soll. Abgehörte Telefonate mit seiner Ehefrau geben Hinweise auf ein mögliches Motiv.
Er habe nicht "wahllos getötet, sondern gut durchdacht", sagte ein Kriminalbeamter am Donnerstag am Landgericht zu den abgehörten Gesprächen. Der Mann habe sein Vorgehen seiner Frau gegenüber als "moralisches Handeln mit den falschen Mitteln" beschrieben, schilderte der 31-Jährige aus dem Inhalt der Telefonüberwachung.
Seit seiner Festnahme Anfang August 2024 sitzt der inzwischen 41-jährige Deutsche in Untersuchungshaft. Von dort aus konnte er mit seiner Ehefrau telefonieren.
Im Rahmen der Ermittlungen hörte die zuständige Mordkommission den Anschluss der Frau ab, wie der Kriminalbeamte am 44. Prozesstag im Zeugenstand schilderte. Er habe den Inhalt von etwa 25 Gesprächen in Erinnerung. Teile der Aufnahmen wurden vor Gericht abgespielt.
Einen ersten Bezug zum Fall habe man hergestellt, als der Mann sagte, dass die Gesellschaft noch nicht weit genug sei und es Gesetzesänderungen geben müsse. Er habe immer Vorgespräche mit den Patienten geführt, sagte der Beamte weiter.
Medikamente seien teils aus therapeutischen Gründen, teils zum Töten eingesetzt worden. In einem anderen Gespräch habe der 41-Jährige geschildert, er habe einem Mann eine Spritze gegeben, damit es schnell gehe. Er habe von Sterbehilfe gesprochen.
Palliativarzt gibt am Telefon zu: Er habe schon lange getötet
In den abgehörten Gesprächen soll der Arzt zudem gesagt haben: Er habe schon lange getötet. Es habe keine Freude bereitet. Aber es habe ihn auch nicht wirklich fertig gemacht.
Er würde immer wieder so handeln. Er habe kriminalistisch viele Fehler gemacht. Darüber ärgere er sich, zitierte der Polizist weiter. Und: "Ich meckere doch nur rum und gestehe Tötungen."
Nach zunächst liebevollen Gesprächsbeginn sei der Austausch zwischen den Ehepartnern jeweils zunehmend professionell geworden, schilderte der Beamte. Er habe den Eindruck gewonnen, dass die Frau des Angeklagten immer mehr beteiligt wurde an der Entwicklung der Ideen, die Fälle zu erklären.
So habe sich das Paar darüber beraten, wie man Aufklärungsbögen im Nachhinein erstellen könne. Der Angeklagte habe geäußert, er könne gut Unterschriften fälschen, sagte der Zeuge.
Der Palliativmediziner steht seit Juli 2025 vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem promovierten Mediziner Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor. Sie hat zunächst 15 Fälle im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 in Berlin angeklagt. In einigen Fällen soll er Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen. Parallel zum Prozess laufen die Ermittlungen zu mehr als 70 Fällen weiter.
Bislang sind noch Verhandlungstermine bis August geplant. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Dann sollen weitere Ausschnitte aus der Telefonüberwachung angehört werden.