Mutter wegen Mordes vor Gericht: Hat sie Zweijährigen in Badewanne ertränkt?

Berlin - Nach einer Brustkrebsdiagnose soll sich eine Mutter (25) dazu entschlossen haben, sich und ihren zweijährigen Sohn zu töten. Vor dem Landgericht Berlin startete am Freitag der Prozess gegen Miriam D. (Name wurde zum Schutz der Angeklagten geändert) wegen Mordes.

Die 25-jährige Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Berlin wegen Mordes an ihrem Sohn (†2) verantworten.
Die 25-jährige Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Berlin wegen Mordes an ihrem Sohn (†2) verantworten.  © TAG24

Laut der Staatsanwaltschaft soll Miriam in den frühen Morgenstunden des 2. Oktobers vergangenen Jahres in der Familienwohnung im Berliner Ortsteil Gesundbrunnnen Tabletten in Wasser aufgelöst und ihrem Sohn verabreicht haben.

Sie habe auch Medikamente eingenommen und sich selbst Insulin gespritzt. Mit dem bewusstlosen Kind stieg sie in die mit Wasser gefüllte Badewanne, presste sich den Zweijährigen bäuchlings auf die Brust.

Die Anklage lautet: heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen.

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Am selben Tag um 12.53 Uhr wählte der Vater des zweijährigen Kindes den Notruf, dessen Inhalt Richter Konstantin Stern wörtlich wiedergab.

Nach ganzen zwei Minuten in der Warteschleife soll der Vater, der im Prozess Nebenkläger ist, gesagt haben: "Hallo, ich habe meine Freundin und mein Kind in der Badewanne gefunden." Er sei aufgewacht und ins Bad gegangen, erzählte er weinend und zitternd.

Auf Nachfrage habe er geantwortet: "Ich glaube, mein Sohn ist tot. Meine Frau atmet noch." Und weiter unverständlich: "Hier liegen Tabletten und eine Spritze in der Badewanne."

Der Vater versuchte sein Kind zu reanimieren

Die 30. Strafkammer verhandelt den Mord-Prozess.
Die 30. Strafkammer verhandelt den Mord-Prozess.  © TAG24

Nachdem er bestätigt hatte, dass seine Frau noch atmet, sei er aufgefordert worden, sein Telefon auf laut zu stellen und sein Kind aus der Wanne zu nehmen.

Dann sollte er den Anweisungen des Beamten Folge leisten, der ihm erklärte, wie er sein Kind zunächst beatmen, dann mit Herzmassage wiederbeleben sollte.

"'Tschuldigung, das ist schon blau angelaufen, Beatmung bringt nichts." Daraufhin fragte der Beamte, ob etwas im Mund des Kindes zu sehen ist. "Ja, Schaum. Die Zunge ist komplett weiß."

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Der Vater habe mit der Wiederbelebung begonnen und irgendwann gefragt: "Darf ich ihn in den Arm nehmen?"

Angeklagte schrieb Abschiedsbrief

Im Saal 501 startete der Prozess.
Im Saal 501 startete der Prozess.  © TAG24

Im Anschluss daran wurde der Abschiedsbrief verlesen, den die Angeklagte vier Tage vor der Tat geschrieben hat. "Hiermit bestätige ich den selbst geplanten und durchgeführten Suizid an mir und meinem Sohn."

Zum Ende des Briefes schrieb sie, dass sie sich eine gemeinsame Seebestattung im Meer wünscht und nicht obduziert werden will. "Es tut mir so leid", stand auf der Rückseite des Briefs mit einem gemalten Herzen.

Momentan befindet sich die Angeklagte im Vollzugskrankenhaus, da sie psychisch krank ist.

Der Verteidiger ließ wissen, dass sich die Angeklagte im Prozess zu dem äußern wird, was sie bereits im Rahmen eines psychiatrischen Gutachtens dem Sachverständigen Herrn Dr. Torsten Seelig bereits gesagt hat. Während des Prozesses liefen bei der gelernten Krankenpflegerin Tränen.

Der nächste von insgesamt drei Verhandlungstagen ist der 5. März.

Normalerweise berichtet TAG24 nicht über Suizide. In dem Fall hat sich die Redaktion entschieden, es doch zu thematisieren. Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Titelfoto: TAG24

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