Chemnitz - Was geschah in dem Wohnblock in der Leipziger Straße Anfang Mai? Fest steht, dass am Ende ein Mann (†75) ums Leben kam. Seit Donnerstag muss das Chemnitzer Landgericht den Fall aufklären. Auf der Anklagebank: ein Saufkumpan des Toten.
Die Anklage ist eindeutig: Am 4. Mai kurz vor 22 Uhr soll Volodymyr O. (64) im Wohnzimmer und auf dem Balkon seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus auf der Leipziger Straße auf seinen Bekannten eingestochen haben. Die Tatwaffe: ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 21 Zentimetern.
"Der Angeklagte nahm dabei billigend in Kauf, den Geschädigten damit tödlich zu verletzen", so Oberstaatsanwalt Stephan Butzkies (58).
Für das Opfer kam jede Hilfe zu spät: Es verstarb noch am Tatort. Dem Gewaltverbrechen soll ein Streit während eines Trinkgelages vorausgegangen sein, bei dem das Opfer den Angeklagten beleidigt haben soll.
Nach der Tat öffnete Volodymyr den Beamten blutüberströmt die Tür, die Tatwaffe lag im Waschbecken des Badezimmers. Seitdem sitzt der Ukrainer in der JVA Leipzig.
Angeklagter bestreitet Tat: "Ich habe so etwas nicht getan"
Beim Prozessauftakt wegen Totschlags wies der Angeklagte alle Schuld von sich. Der Vorsitzende Richter Janko Ehrlich (53) hakte nach: "Als die Polizei kam, sollen Sie voller Blut gewesen sein. Wie kommt denn das?"
Daraufhin berief sich der Angeklagte auf Erinnerungslücken, beteuerte aber: "Ich habe so etwas nicht getan."
Nachdem mehrere Polizisten ausgesagt hatten, kam eine Nachbarin des mutmaßlichen Totschlägers zu Wort.
Sie belastet den Angeklagten: So soll Volodymyr zum Tatzeitpunkt auf dem Balkon mehrfach auf das am Boden liegende Opfer eingetreten haben. Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt.