Anwälte der "Sächsischen Separatisten" nutzen Gericht in Dresden als Bühne

Dresden - Seit fast einer Woche läuft nun der Prozess gegen die "Sächsischen Separatisten": Acht jungen Männern wird dabei vorgeworfen, eine Neonazi-Terrorgruppe formiert zu haben. Doch viele ihrer Anwälte sind auch mit der rechtsextremen Szene verbunden, entsprechend rau ist der Ton im Gerichtssaal. Und entsprechend oft gibt die Verteidigung auch politische Statements ab.

Vor dem Dresdner Oberlandesgericht läuft seit vergangener Woche ein Prozess gegen die "Sächsischen Separatisten".
Vor dem Dresdner Oberlandesgericht läuft seit vergangener Woche ein Prozess gegen die "Sächsischen Separatisten".  © DPA

Hatte sich der mutmaßliche Rädelsführer der Gruppe, Jörg S. (24), im Prozess bereits zu seiner Gesinnung bekannt, braucht das sein Verteidiger Martin Kohlmann (48) als Kopf der rechtsextremen Kleinstpartei "Freie Sachsen" schon gar nicht mehr.

Im Terror-Prozess hält er als Erstes sein Eröffnungsplädoyer, fordert die Einstellung des Verfahrens und sehnt sich zurück in die Vergangenheit: "Als wir noch einen Rechtsstaat hatten, vor 1918 ...", schwadroniert der Anwalt. Und: "Seit der Machtergreifung der Demokraten hat sich das geändert."

Noch krawalliger tritt die Verteidigung des AfD-Politikers Kurt Hättasch (26) auf: "Wir haben es mit Feindstrafrecht zu tun", poltert Dubravko Mandic (45), bis 2021 selbst Mitglied der AfD.

FBI-Agent soll mit "Sächsischen Separatisten" Häuserkampf trainiert haben
Gerichtsprozesse Dresden FBI-Agent soll mit "Sächsischen Separatisten" Häuserkampf trainiert haben

"Im Grunde genommen ist heute jeder Patriot gefährdet."

Die Anwälte Mike Thümmler (v.l.), Dubravko Mandic und Till Weckmüller verteidigen Kurt Hättasch, Martin Kohlmann und Jörg S. im Prozess.
Die Anwälte Mike Thümmler (v.l.), Dubravko Mandic und Till Weckmüller verteidigen Kurt Hättasch, Martin Kohlmann und Jörg S. im Prozess.  © Eric Hofmann

Einschüchterungsversuche im Gerichtssaal: "Diese Namen müssen sich einprägen"

Anwalt Wolfram Nahrath (64) ist ein Urgestein der Neonazi-Szene.
Anwalt Wolfram Nahrath (64) ist ein Urgestein der Neonazi-Szene.  © Peter Schulze

Dabei bleibt es nicht: Hättaschs Anwälte fordern Namensschilder für Richter und die Vertreter der Bundesanwaltschaft: "Diese Namen müssen sich einprägen", begründet Mandic. "Wer bei so etwas mitmacht, macht sich mitschuldig. In Ihrer Haut möchte ich nicht stecken!" Ein kaum versteckter Einschüchterungsversuch.

Auch Wolfram Nahrath (64), Ex-Chef der verbotenen "Wiking-Jugend", nutzt den Prozess für die Verbreitung seiner politischen Ideen: "Die Erfinder der Sächsischen Separatisten sitzen auf der dunklen Seite des Rechtsstaates", sagt der Verteidiger von Kevin M. (22), denn fast alle Verteidiger bestreiten die Existenz der Vereinigung.

Nahrath verortet die Strippenzieher auf der anderen Seite des Atlantiks und attestiert der Bundesrepublik "absolut fehlende Souveränität, fehlende Macht, auf den Bündnispartner einzuwirken".

Titelfoto: Fotomontage: dpa, Eric Hofmann

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