Nach Krawallen bei Dynamo-Aufstieg: Erster Randalierer verurteilt

Dresden - Die Krawalle im Großen Garten zum Aufstieg von Dynamo Dresden im Mai 2021. Zwei Monate nachdem sich rund 500 Randalierer eine Straßenschlacht mit der Polizei geliefert hatten, bei der 185 Beamte verletzt wurden, steht am heutigen Mittwoch der erste Chaot vorm Amtsrichter in Dresden.

Sebastian S. (34) auf dem Weg ins Dresdner Amtsgericht: Er muss sich für seine Taten vom 16. Mai bei den Krawallen nach dem Dynamo-Aufstieg verantworten.
Sebastian S. (34) auf dem Weg ins Dresdner Amtsgericht: Er muss sich für seine Taten vom 16. Mai bei den Krawallen nach dem Dynamo-Aufstieg verantworten.  © Peter Schulze

Sebastian S. (34) muss sich wegen Körperverletzung, versuchter Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Laut Anklage war der 34-Jährige dabei, als sich die aufgeheizte Meute über die Hauptallee durch den Großen Garten in Richtung altes Trainingsgelände wälzte. Dabei habe er einen Polizeibeamten im vollen Lauf von hinten in den Rücken getreten.

Der Beamte erlitt Zerrungen und eine Thoraxprellung, war zwei Wochen krank.

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Sofort überwältigten dessen Kollegen den Angreifer, wollten seine Personalien feststellen. "Dem versuchte er sich fortwährend zu widersetzen, indem er Richtung der Beamten trat und den Polizisten Kopfstöße gegen deren Helme versetzte", so der Staatsanwalt. Natürlich fielen dabei auch reichlich Beleidigungen...

Weil laut Justiz seine Taten eindeutig nachweisbar sind, er sofort festgenommen wurde und mithin an den späteren Krawallen vor Ort nicht mehr beteiligt war, wird nun in einem sogenannten beschleunigten Verfahren gegen Sebastian S. verhandelt.

Damit steht auch fest, dass er maximal zwölf Monate Haft kassieren kann. Mehr ist laut Gesetz bei derlei "Schnellverfahren" nicht erlaubt. Das Urteil folgt.

Bereits 110 Verdächtige aus dem ganzen Bundesgebiet ermittelt

Nach dem Aufstiegs-Spiel lieferten sich einige Hooligans eine wilde Straßenschlacht mit der Polizei.
Nach dem Aufstiegs-Spiel lieferten sich einige Hooligans eine wilde Straßenschlacht mit der Polizei.  © Sebastian Kahnert/dpa

Die Krawalle rund um den Aufstieg von Dynamo versucht die "Soko Hauptallee" aufzuarbeiten. Kriminalrat Enrico Lange (36) und seine Leute, werten Fotos, Videos und Zeugenaussagen aus, um die Randalierer zu identifizieren.

Es wurden auch ein Hinweisportal im Netz freigeschaltet und inzwischen zwei Fahndungsplakate mit insgesamt 40 Tatverdächtigen veröffentlicht.

Die 50-köpfige Soko, die im Revier Nord agiert, wertet 82 Stunden Videos aus und ermittelte schon über 110 Verdächtige. Darunter Randalierer aus Dresden, Sachsen und aus dem ganzen Bundesgebiet angereiste Chaoten.

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Aufgrund der Fahndungsplakate konnten inzwischen 20 Männer identifiziert werden. Zahlreiche abgebildete Täter stellten sich fix selber. Andere wurden über Hinweise ermittelt.

Die Randalierer müssen nicht nur mit bundesweitem Stadionverbot rechnen. Sie müssen sich auch noch wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder gar Landfriedensbruch vor Gerichten verantworten.

Dynamo Dresden muss wegen Ausschreitungen um Millionen bangen

Die Polizei ging mit Wasserwerfern unter anderem im Großen Garten gegen die krawallbereiten Fans vor.
Die Polizei ging mit Wasserwerfern unter anderem im Großen Garten gegen die krawallbereiten Fans vor.  © Steffen Füssel

Für Dynamo könnte diese furchtbare Straßenschlacht, die dem Verein mal wieder schlechte Schlagzeilen bescherte, gar finanzielle Folgen haben. So fordert der Stadtrat ein "schlüssiges Gesamtkonzept zur Unterbindung von Gewalt und Extremismus im Umfeld des Vereins".

Andernfalls könnten Beihilfen, wie zum Beispiel 1,5 Millionen Zuschuss zur Stadionmiete, gestrichen werden.

Update, 15.59 Uhr: Urteil für 34-jährigen Randalierer steht fest

Zehn Monate Haft für den ersten Randalierer von der Dynamo-Aufstiegsrandale! Der Amtsrichter in Dresden verurteilte Sebastian S. (34). Der Betonsanierer hatte bei der Straßenschlacht am Stadion im Mai 2021 einen Polizisten von hinten in den Rücken getreten und sich gegen weitere Beamte mit Kopfstößen gewehrt. Allerdings wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Im Prozess räumte der Angeklagte die Taten ein.

"Er bedauert es heute sehr", erklärte sein Anwalt für ihn. "Das war alles völlig überflüssig." Allerdings sei Sebastian S. aber nach einer halben Kiste Bier und einigen Schnäpsen auch sehr betrunken gewesen. Als Auslöser für seine Attacke gab der Betonsanierer an, "im Augenwinkeln" erkannt zu haben, dass der Polizist zuvor, zwei Frauen umgeschubst hätte.

Der Amtsrichter konterte: "Auf dem Video sind keine Frauen zu sehen." Und laut Untersuchungsbericht hatte Sebastian S. zwar noch um 22 Uhr noch rund 1,5 Promille, sei aber "im Bewusstsein klar" gewesen. "Außerdem sind auf Videos und Bildern Ausfallerscheinungen nicht ansatzweise zu erkennen…"

Von einer verminderten Schuldfähigkeit kann also keine Rede sein.

Sebastian S. hat bisher 15 registrierte Strafen im Register, vornehmlich wegen Fahrens ohne Fahrschein, aber auch wegen Beleidigung. Immer wieder gab es Geld- oder Bewährungsstrafen.

Wegen Körperverletzung oder Beteiligung an Randalen jeder Art fiel er bisher nie auf.

Dennoch forderte die Staatsanwältin elf Monate Haft zur Verteidigung der Rechtsordnung gefordert.

Sebastian S. kam mit Bewährung davon. "Klar ist, dass hier kein Hooligan vor Gericht steht, kein Intensivtäter", begründete der Richter, die Entscheidung für die Bewährung. Drei Jahre muss sich Sebastian S. jetzt am Riemen reißen. So lange dauert die Bewährungszeit. Begeht er in der Zeit neue Straftaten, müsste er die zehn Monate absitzen.

Titelfoto: Peter Schulze

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