Dresden - Schuldig des gewerbsmäßigen Betruges in 469 Fällen und der Geldwäsche in 44 Fällen. So lautet das Urteil gegen Akiva Weingarten (41). Das Amtsgericht Dresden verurteilte am Freitag den Rabbi der Jüdischen Kultusgemeinde deshalb zu zwei Jahren Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Demnach begünstigte der Würdenträger mit den amerikanisch-ungarischen Wurzeln die Betrugsmasche von Bekannten (einem Israeli und einem Ukrainer). Laut LKA begingen sie Microsoft-Support-Betrug.
Dabei bekommen Nutzer ungefragt Werbung angezeigt. Wird die angeklickt, öffnet sich ein Fenster. Das kann nicht gelöscht werden und suggeriert, der Rechner wäre von "offizieller Seite" gesperrt, sämtliche Daten würden in Kürze gelöscht.
Abhilfe böte aber die angegebene Hotline. Die Betroffenen riefen dort an, landeten in einem Call-Center in der Türkei, bekamen unnütze und teure Sicherheitspakete aufgeschwatzt, um die in Wahrheit nie gesperrten Rechner wieder zu entsperren.
Laut Anklage wurden dabei von 469 (europaweit) Opfern insgesamt 148.000 Euro abgezockt!
Zu Prozessbeginn hatte Weingarten über seinen Verteidiger Andrej Klein erklärt, er habe tatsächlich eine Firma gehabt. Die Bekannten baten ihn, ihre Geschäfte darüber abwickeln zu können.
Rabbi muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten
"Es ist nicht auszuschließen, dass die Taten ohne die deutsche Firma und ohne Konten meines Mandanten nicht begangen worden wären. Er hat also einen Anteil daran", so Klein. Allerdings habe Akiva mit den Betrugshandlungen selbst nichts zu tun.
Auch der Ermittler vom LKA bestätigte im Gericht, dass der Angeklagte weder Kontakt mit den Opfern hatte, noch irgendeinen Einfluss auf die Gelder, die sie überwiesen. Im Gegenteil: In einem beschlagnahmten Chat beschwerte sich Akiva bei seinen Mitstreitern, dass er innerhalb von acht Monaten "nur" 1400 Euro für seine Hilfe verdient hätte.
Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sächsischen Landtag ist, geriet ins Visier der Ermittler, nachdem eine Frau aus Österreich Anzeige erstattet hatte. Die Nachforschungen ergaben nicht nur, dass die Gelder auf die Konten der Firma von Akiva gingen und von dort ins Ausland.
"Die ermittelnde Polizei stellte auch fest, dass es 'Überschneidungen' zwischen dem Beschuldigten und Führungskräften der Polizeidirektion Dresden gab, weshalb der Fall ans Landeskriminalamt abgegeben wurde", so der Ermittler.
150 Stunden gemeinnützige Arbeit
Das Gericht verurteilte Aktiva nun. Auch die Einziehung der erschwindelten Gelder wurde angeordnet. Als Bewährungsauflage muss der Rabbi 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Übrigens: Die Ermittlungen gegen die beiden anderen Mittäter sind laut LKA-Beamten abgeschlossen. Aber beide mutmaßlichen Täter sind für die Justiz derzeit offenbar nicht greifbar. Wann sie vor Gericht stehen, ist daher völlig unklar.