Polizeieinsatz lief völlig aus dem Ruder: Beamte sollen Mann geschlagen und getreten haben

Köln - Bei einem aus dem Ruder gelaufenen Polizeieinsatz im April 2021 in Köln sollen fünf Polizeibeamte einen 59-Jährigen zu Boden gebracht, gefesselt, getreten und mit dem Kopf gegen einen Pfeiler geschlagen haben.

Die fünf beschuldigten Polizisten müssen sich nun vor dem Kölner Landgericht verantworten.
Die fünf beschuldigten Polizisten müssen sich nun vor dem Kölner Landgericht verantworten.  © Federico Gambarini/dpa

Anschließend sollen zwei von ihnen eine Anzeige gegen den Mann verfasst haben, in der sie wahrheitswidrig behauptet haben sollen, der Mann habe sie bedroht und beleidigt sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet.

Seit Donnerstag stehen die fünf seit November 2021 vom Dienst suspendierten Polizisten, alles Deutsche, im Alter zwischen 25 und 42 Jahren vor dem Kölner Landgericht.

Zwei der Beamten sollen zunächst an der Wohnanschrift des 59-Jährigen im Stadtteil Bickendorf vorstellig geworden sein und dort mit dem Sohn des Mannes gesprochen haben. Hintergrund sollen Ermittlungen gegen die Tochter des Mannes wegen eines Verkehrsdelikts gewesen sein.

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Dann sei der 59-Jährige mit einer Dose Bier in der Hand aufgetaucht und habe sich im augenscheinlich angetrunkenen Zustand eine verbale Auseinandersetzung mit den Beamten geliefert.

Die Polizisten sollen daraufhin Verstärkung angefordert haben, "statt deeskalierend" auf den 59-Jährigen "einzuwirken oder zu gehen", wie es in der Anklage heißt.

59-Jähriger starb zwei Monate nach Polizeieinsatz

Die angeklagten Polizeibeamten sollen unter anderem den Kopf des 59-Jährigen gegen einen Pfeiler geschlagen haben.
Die angeklagten Polizeibeamten sollen unter anderem den Kopf des 59-Jährigen gegen einen Pfeiler geschlagen haben.  © Federico Gambarini/dpa

Dann sollen die Beamten den Mann umringt haben und ihn mit "einem Hebelgriff am Kopf" angegangen sein. Sie brachten ihn demnach zu Boden und fesselten ihn. Den am Boden Liegenden sollen sie zudem getreten haben und ihn, nach erneutem Aufrichten, mit dem Kopf gegen einen Pfeiler geschlagen haben.

Der 59-Jährige soll unter anderem eine Platzwunde am Kopf sowie mehrere Rippenbrüche erlitten haben. Die Verletzungen sollen noch am selben Tag in einem Krankenhaus behandelt worden sein.

Rund zwei Monate später starb der Mann jedoch. Grund soll eine Blutvergiftung nach einer Lungenentzündung gewesen sein, die wiederum von den erlittenen Rippenbrüchen hergerührt haben soll.

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Ursache für den Tod des Mannes sei aber nicht die bei dem Einsatz erlittene Verletzung gewesen, sondern dass der Geschädigte sich im Nachgang nicht ordnungsgemäß habe weiterbehandeln lassen, wie ein Verteidiger sagte: "Das ist tragisch, aber nicht die Verantwortung der Polizei."

Polizisten sollen wahrheitswidrige Anzeige gegen 59-Jährigen verfasst haben

Im Gerichtssaal stapelten sich zum Prozessauftakt am Donnerstag die Akten.
Im Gerichtssaal stapelten sich zum Prozessauftakt am Donnerstag die Akten.  © Federico Gambarini/dpa

Zudem betonte der Verteidiger, die Beamten hätten bei dem Einsatz "nicht mehr Gewalt eingesetzt, als erforderlich" gewesen sei. Ein weiterer Verteidiger beklagte in einem Eröffnungsstatement "einseitige Ermittlungen" der Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagten.

Nach dem Einsatz sollen zwei Beamte eine wahrheitswidrige Strafanzeige gegen den 59-Jährigen verfasst haben. Darin sollen sie ihm wider besseren Wissens Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung vorgeworfen haben. Einem der Angeklagten wird darüber hinaus Verrat von Dienstgeheimnissen an Unbefugte zur Last gelegt. Ferner ist einer der Männer noch wegen einer zweiten mutmaßlichen Körperverletzung im Amt angeklagt.

Die Witwe des Verstorbenen sowie seine beiden Kinder treten in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Der Prozess ist mit neun weiteren Verhandlungstagen vor dem Landgericht terminiert. Ein Urteil wird Ende November erwartet.

Erstmeldung vom 2. November: 6 Uhr; zuletzt aktualisiert: 14.52 Uhr

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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