Toter auf Eisenbahnstraße: Messer-Prozess platzt nach einem Jahr, weil Richterin in Mutterschutz muss
Leipzig - Das ist ganz bitter: Am Landgericht Leipzig ist der XXL-Prozess um den Messertoten auf der Eisenbahnstraße nach zwölf Monaten Dauerverhandlung geplatzt! Grund: Eine Richterin der Schwurgerichtskammer ist schwanger geworden und geht nun in den Mutterschutz. Der wegen Totschlags angeklagte Kemal A. (43) hat jetzt gute Chancen, wegen überlanger Verfahrensdauer freizukommen.
Das Ticken der Verfahrens-Bombe war seit Wochen zu hören, am Freitag ist sie geplatzt. Einer der spektakulärsten Prozesse um tödliche Gewalt auf der Leipziger Eisenbahnstraße ist nach 46 (!) Verhandlungstagen krachend gescheitert.
Der Anlass der Justiztragödie ist eigentlich ein schöner: Eine beisitzende Richterin ist während all der Zeit schwanger geworden, erwartet in etwa acht Wochen ihr erstes Kind.
Da es die mit Großverfahren völlig überlastete 16. Strafkammer nicht schaffte, die Beweisaufnahme in dem seit April 2025 laufenden Prozess vor Beginn des gesetzlichen Mutterschutzes der Kollegin zu beenden, löst sich die komplette Arbeit der vergangenen zwölf Monate nun im Nichts auf, muss alles mit neuer Besetzung von vorne beginnen.
Denn ein Austausch eines Richters im laufenden Verfahren ist unzulässig. Prozesskosten in fünfstelliger Höhe hat der Steuerzahler zu tragen.
Oberlandesgericht entscheidet nun, ob Angeklagter freizulassen ist
Für den seit seiner Festnahme im Juni 2024 ununterbrochen in U-Haft sitzenden Angeklagten, der vor der als Drogenumschlagplatz bekannten Shisha-Bar "Wunderlampe" einen Libyer (†48) erstochen haben soll, könnte das ein Glücksfall sein.
Zwar ordnete das Landgericht noch die Fortdauer der Untersuchungshaft von Kemal A. an, doch in den nächsten Wochen entscheidet das Oberlandesgericht in Dresden neu, ob der Türke wegen überlanger Verfahrensdauer freizulassen ist.
Sein Cousin Fikret A. (60) war erst in der Woche zuvor von derselben Strafkammer wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, weil er nach gerichtlicher Darstellung auf der Eisenbahnstraße einen Tunesier erschießen wollte, die Pistole aber nicht auslöste. Auch dieser Prozess hatte über ein Jahr gedauert.
In beiden Fällen soll es um Drogengeschäfte gegangen sein.
Titelfoto: Montage: Tom Richter + EHL Media/Erik-Holm Langhof

