Leipzig - Sie spionierten ihre Opfer oft wochenlang aus und überfielen sie dann in ihrem privaten Umfeld. Die Linksterroristen der so genannten Hammerbande nutzten für ihre brutalen Überfälle offenbar auch Daten aus behördlichen Melderegistern. Eine Frau, die diese unter Missbrauch ihrer Stellung im Universitätsklinikum Magdeburg beschafft haben soll, steht seit gestern vor dem Leipziger Landgericht.
Sie hat aus ihrer Einstellung nie ein Hehl gemacht. Ines F. (56) engagierte sich im linken Aktionsbündnis "Magdeburg Nazifrei", agierte als Anmelderin von Demos und betrieb sogenannte "Antifa-Recherchearbeit".
Dabei missbrauchte sie offenbar ihre dienstliche Stellung im Uniklinikum. Dort war die ledige Mutter zweier Töchter im Debitorenmanagement tätig und hatte über das behördliche Auskunftsportal Sachsen-Anhalt Zugang zu Melderegistern in ganz Deutschland.
Den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zufolge soll die Buchhalterin dieses Privileg ausgenutzt haben, um an Adressdaten von Personen zu gelangen, die in den Augen der linksextremen Szene "Nazis" oder aus anderen Gründen missliebig waren - und diese dann an die Militanten weitergegeben haben.
Während Ines F. am Magdeburger Landgericht angeklagt ist, in 22 Fällen geschützte Personendaten missbräuchlich beschafft zu haben, geht es am Landgericht Leipzig um die Folgen ihres mutmaßlichen Handelns.
,Schöne Grüße aus Connewitz'
Am 30. Oktober 2018 wurde in Wurzen der Hausmeister Cedric S. (28) in der Nähe seiner Wohnung von fünf Vermummten brutal zusammengeschlagen und verletzt. Der Mann gehörte damals der rechten Szene an und war nach gerichtlicher Feststellung 2016 am Überfall auf Connewitz beteiligt. Seine Adresse soll das Überfall-Kommando laut Anklage von Ines F. bekommen haben.
Auch der brutale Überfall auf die Leipziger Immobilienmanagerin Claudia P. (41) im November 2019 soll den Ermittlungen zufolge erst durch den Datenmissbrauch der Klinik-Buchhalterin möglich gewesen sein.
Die Prokuristin einer Firma, die seinerzeit in Connewitz ein großes Bauvorhaben für Eigentumswohnungen vorantrieb, war von Vermummten direkt an ihrer Wohnungstür zusammengeschlagen worden. Die Angreifer riefen dabei "Schöne Grüße aus Connewitz".
Ihre Mandantin werde sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen äußern, erklärte Szene-Anwältin Rita Belter. Sagte dann aber, dass Ines F. "Antifa-Recherchearbeit" betrieben habe - und dass dies ja auch der Polizei bei der Aufklärung rechtsextremer Taten helfen würde.
In einem ersten Prozess war Ines F. zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden - wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung. Das Amtsgericht stützte sich damals unter anderem auf regelrechte "Feindeslisten", die bei ihr gefunden wurden. Sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft waren in Berufung gegangen. Der neue Prozess wird mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.