Sächsischer Feuerwehrchef als Kinderschänder vor Gericht

Leipzig - Er will aussagen, aber nur hinter verschlossenen Türen. In Leipzig begann am Dienstag der Prozess gegen den einstigen Feuerwehrchef von Trebsen, Marcel K. (39). In 18 Fällen soll er Jungen der Jugendfeuerwehr missbraucht haben. Um an ein Geständnis zu kommen, schloss das Landgericht die Öffentlichkeit aus.

Verbarg sein Gesicht vor Gericht hinter einem Hefter: Ex-Feuerwehrchef Marcel K. (39).
Verbarg sein Gesicht vor Gericht hinter einem Hefter: Ex-Feuerwehrchef Marcel K. (39).  © Silvio Bürger

Er wolle nicht, dass sein Sexualleben "breitgewalzt" werde, ließ Marcel K. seinen Verteidiger erklären. Er selbst blickte dabei starr zu Boden. Ausschluss der Öffentlichkeit noch vor der Anklageverlesung gegen ein Geständnis - die 3. Strafkammer ging auf den Deal ein. "Schutzwürdige Interessen" des Angeklagten seien berührt, begründete der Vorsitzende Richter Bernd Gicklhorn.

Spurensuche deshalb vor Ort und bei Ermittlern, die den Fall auf dem Tisch hatten: In den Winterferien 2017 soll es zum ersten der insgesamt 18 angeklagten Übergriffe gekommen sein.

Marcel K., damals noch Vize-Wehrleiter, habe mit dem damals erst acht Jahre alten Jan* im Wohnmobil Urlaub in Altenberg gemacht. Beim gemeinsamen Filmeschauen sei die Hand des Jugendwarts in die Hose des Grundschülers gewandert.

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Weil sich der verängstigte Junge nicht gewehrt habe, sei es später zu immer heftigeren Übergriffen gekommen - bis hin zum Eindringen in den Körper des Jungen, erinnert sich ein Ermittler. Der Tatort: das Elternhaus des Feuerwehrchefs.

Wehrleiter soll Jungen im Feuerwehrhaus missbraucht haben

Feuerwehr-Leiter Marcel K. bei einem Brandeinsatz - nach Bekanntwerden der Vorwürfe verließ er die Wehr sofort.
Feuerwehr-Leiter Marcel K. bei einem Brandeinsatz - nach Bekanntwerden der Vorwürfe verließ er die Wehr sofort.  © Frank Schmidt

Auch an einem weiteren Mitglied der Jugendfeuerwehr soll sich K., nunmehr als Wehrleiter, vergriffen haben.

Der 2012 geborene Justin* wurde den polizeilichen Ermittlungen zufolge 2021 erst im Schlafzimmer des Beschuldigten, später im Feuerwehrhaus missbraucht. Der Junge berichtete der Polizei, dass ihn der Wehrleiter gebeten habe, leere Atemschutzflaschen in den Keller der Wache zu bringen. Dort habe ihn K. plötzlich geküsst und an seinem Penis manipuliert.

All diese Vorwürfe der Ermittler wiegen schwer. Ob der Angeklagte Übergriffe einräumte, wurde am Dienstag nicht bekannt.

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Erst zum Urteil, das voraussichtlich Mitte Mai gesprochen wird, ist die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

*Namen geändert

Titelfoto: Montage: Silvio Bürger + Frank Schmidt

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