Von Dörthe Hein
Magdeburg - Im Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sind eine Reihe von Beweisanträgen gestellt worden - stundenlang auch vom Angeklagten.
Anwälte der Nebenklage beantragten zunächst, dass noch mehrere aktuelle Arzt- und Behandlungsberichte Betroffener verlesen werden, um die entstandenen Schädigungen deutlich zu machen.
Die Verteidiger stellten Anträge unter anderem mit Blick auf das Tatfahrzeug und die Beiziehung des Abschlussberichts des Untersuchungsausschusses des Landtags, der sich unter anderem mit Mängeln bei der Sicherung des Weihnachtsmarkts befasst hat.
Der Angeklagte selbst hat ebenfalls Beweisanträge vorbereitet. Er las die teils ungewöhnlich langen, handgeschriebenen und inhaltlich weit ausschweifenden Anträge vor.
Er nahm Bezug auf religiöse, politische und geschichtliche Zusammenhänge, seine Konflikte mit einer Flüchtlingshilfeorganisation und beklagte seine medizinische Behandlung in Haft.
Der Angeklagte beantragte eine Reihe von Zeugenvernehmungen etwa von Ärzten, Rechtsanwälten und Politikern sowie Sachverständigengutachten.
Nach knapp zwei Stunden Vorlesen erklärte er auf Nachfrage, weitere 100 Seiten habe er noch vorbereitet.
Plädoyers dauern mehrere Tage
Der Prozess befindet sich in der Schlussphase. Vor dem anstehenden Beginn der Schlussvorträge hatte der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg eine Frist für weitere Beweisanträge bis zu diesem Dienstag gesetzt.
Über die gestellten Beweisanträge muss das Gericht entscheiden. Müsste keinem Antrag nachgegangen werden, könnte die Generalstaatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer beginnen.
In dieser Woche sind auch Verhandlungstage am Mittwoch, Donnerstag und Freitag vorgesehen. Die Plädoyers werden voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Es wollen dabei auch Betroffene des Anschlags das Wort ergreifen. Über 200 Nebenkläger sind im Prozess dabei, nur wenige aber sind im Verhandlungssaal dabei.
Seit dem 10. November 2025 verhandelt das Landgericht in einem eigens errichteten Interimsgebäude und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen gegen den Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Am 20. Dezember 2024 war der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gefahren. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt.