Magdeburg - Weiter geht es im Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Die Horror-Taten des Angeklagten rücken weiter in den Fokus.
Der 51-jährige Angeklagte Taleb A. steht wegen sechsmaligen Mordes und über 300-fachen versuchten Mordes vor Gericht. Ihm droht lebenslange Haft mit Sicherheitsverwahrung.
Grundlegende Informationen zu dem Attentat und dem langwierigen Gerichtsverfahren findet Ihr im Artikel "Eigenes Gerichtsgebäude gebaut: Mega-Prozess gegen Magdeburger Amokfahrer startet".
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10.06 Uhr: Familienvater trug Ehefrau aus der Gefahrenzone
Als zweiter Zeuge am Dienstag sagt auch der Vater der Jugendlichen vor Gericht aus. Der 45 Jahre alte Mann erinnert sich, wie er gerade auf dem Heimweg von der Arbeit war, als er einen Anruf erhielt
Eine Ersthelferin hatte ihn mit dem Handy seiner Frau angerufen und aufgefordert, zum Magdeburger Weihnachtsmarkt zu kommen. Im Hintergrund des Telefonats habe er seine Frau "nach den Kindern schreien gehört", erinnert er sich.
"Die Fahrt nach Magdeburg - weinen, beten, was man so macht - war intensiv", schildert der 45-Jährige. Die Eltern des Familienvaters trafen zeitgleich mit ihm ein. Er fand seine Frau und seine siebenjährige Tochter. Der Zeuge ringt mit den Tränen als er erklärt, dass er seine Frau aus der Gefahrenzone getragen hat. Das Mädchen wurde von ihren Großeltern mitgenommen.
9.56 Uhr: Jugendliche musste neu laufen lernen
Ihr Becken und ein Oberschenkel wurde durch den Zusammenprall gebrochen. Die 13-Jährige musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen und ganz neu laufen lernen. Viele Monate war sie in psychiatrischer Betreuung.
Auch heute hat die Teenagerin noch mit den Folgen zu kämpfen. Früher hat sie gerne geturnt und hatte Spaß im Schulsport, das klappt heute nicht mehr. "Weil ich da so viele Schmerzen bekomme", erklärt sie, besonders, wenn sie länger gehen oder stehen muss.
Eine weitere Operation steht der Jugendlichen noch bevor.
9.50 Uhr: Junge Zeugin wurde vom Auto mitgeschleift
Die erste von sechs Zeugen, die heute aussagen möchte, schildert nun ihre Erinnerungen an den Anschlagsabend. Die 13-jährige Schülerin wird im Zeugenstand von ihrem Vater und Rechtsanwalt von Rüden unterstützt.
Die Teenagerin berichtet, dass sie am 20. Dezember mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und einer Freundin auf dem Weihnachtsmarkt Riesenrad fahren wollte. Die 13-Jährige hielt sich mit der Gruppe an einem Lagos-Stand auf.
"Ich hab zur Seite geguckt, nur noch ein Licht gesehen und dann war ich unterm Auto und wurde mitgeschleift", erinnert sich die Schülerin.
In einer Kurve wurde sie unter dem Auto herausgeschleudert. Einige Passanten eilten ihr sofort zur Hilfe. "Ich hatte echt dolle Schmerzen", schildert die Geschädigte. Ihr wurde zunächst eine Infusion gelegt, bevor sie in ein Krankenhaus gebracht werden konnte.
9.31 Uhr: Prozess wird fortgesetzt
Um kurz vor halb zehn wird der Angeklagte Taleb A. (51) von bewaffneten Polizisten in seine Sicherheitskammer gebracht. Die Presse darf kurzzeitig Fotos von ihm machen.
Es fällt auf, dass auch am zweiten Prozesstag im neuen Jahr der Zuschauerraum nicht mehr komplett gefüllt ist. Nur die Hälfte der Plätze sind zu Beginn besetzt.
6.30 Uhr: Sechs geschädigte Zeugen erwartet
Am zweiten Verhandlungstag in diesem Jahr werden insgesamt sechs Menschen erwartet, die den Anschlag bezeugen können oder sogar selbst verletzt wurden, teilte das Landgericht mit.
Der Prozesstag beginnt regulär um 9.30 Uhr.