Prozess um Magdeburg-Anschlag: Attentäter schreit plötzlich los
Magdeburg - Der Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt wird am Mittwoch fortgesetzt. Unter anderem soll ein Gutachten vorgetragen werden.
Nachdem am Dienstag Twitter-Videos des Amokfahrers aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und gezeigt worden waren, ist jetzt ein Arabisch sprechender Dolmetscher geladen.
Neben ihm wird es auch eine Präsentation eines Gutachtens geben.
Darin soll es um die Schuldfähigkeiten des angeklagten Taleb A. (51) gehen.
Grundlegende Informationen zu dem Attentat und dem langwierigen Gerichtsverfahren findet Ihr in folgendem Artikel: "Eigenes Gerichtsgebäude gebaut: Mega-Prozess gegen Magdeburger Amokfahrer startet".
12.17 Uhr: Richter unterbricht und ordnet Pause an
Nach dem Vorfall schwindet die Konzentration auf den Vortrag des Sachverständigen. Währenddessen schreit und diskutiert Taleb A. in seiner "Sicherheitskabine" immer weiter.
Der Vorsitzende unterbricht die Verhandlung und ordnet eine Pause bis 13 Uhr an.
12.05 Uhr: Zwischenfall während Präsentation von Gutachten
Während das Gutachten zur Schuldfähigkeit des Attentäters vorgetragen wird, meldet sich Taleb A. in seiner "Sicherheitskabine" zu Wort.
Mit regelrechten Schreien unterbricht der Attentäter den Vortrag. Die vermummten Sicherheitskräfte hinter dem Angeklagten sind in Alarmbereitschaft.
Der Sachverständige Dr. med. Langer sprach in diesem Moment über die von Taleb A. immer wieder kritisierte "säkulare Flüchtlingshilfe" in Köln. Als dieser von einem "Konkurrenzkampf" zwischen A. als Flüchtlingshelfer und der Vereinigung sprach, eskalierte die Situation.
Der vorsitzende Richter Sternberg schaltete das Mikrofon des Angeklagten ab. Der Amokfahrer schrie weiter. Seine Rufe waren aus der Sicherheitskabine heraus und durch mehrere Fenster bis in den Zuschauerraum zu hören. Mehrmals schlug er mit der Handfläche auf den Tisch.
11.43 Uhr: Sachverständiger gibt Einblick in Leben von Taleb A.
Dr. med. Langer berichtet unter anderem über die Kindheit von A. So soll dieser bereits in der 7. Klasse kritische Überlegungen über die Evolutionstheorie geäußert haben.
Zudem habe er sehr früh die islamische Glaubensfrage hinterfragt. Abseits der Schule hätten andere Kinder Taleb A. gemieden.
Bei einer Bewertung der Schuldfähigkeit seien auch die ersten beiden Prozesstage ausschlaggebend gewesen, bei denen der Amokfahrer die Tat aus seiner Sicht schildern durfte.
11.28 Uhr: Jetzt geht es um die Schuldfähigkeit
Ist Taleb A. schuldfähig oder nicht? Darum geht es jetzt in einem Gutachten des Sachverständigen Dr. med. Langer, welches er persönlich vorstellt.
Er hat sich über mehrere Monate mit dem Lebenslauf des Attentäter beschäftigt und versucht ihn persönlich zu sprechen. Ein Mitwirken habe der Angeklagte allerdings abgelehnt.
11.14 Uhr: Seltsamer Moment nach Frage vom Anwalt
Der Vorsitzende Richter Sternberg möchte vom Angeklagten wissen, ob er die vorgespielte Aufnahme und seine Stimme darin als echt bestätigen kann.
Anstatt ihm direkt zu antworten, drehte sich Taleb A. in Richtung seines Verteidigers und verdeckte seinen Mund mit der Hand. Sein Anwalt teilte daraufhin mit: "Mein Mandant teilte mir mit, dass er sich derzeit nicht in der Lage sieht auf diese Frage zu antworten."
11 Uhr: Attentäter soll Büro von Innenministerin Nancy Faeser kontaktiert haben
Nachdem seine Botschaft in der Tonaufnahme überwiegend um den fehlenden USB-Stick und nicht beachtete Faxnachrichten handelte, erwähnte Taleb A. die damalige Innenministerin Nancy Faeser (55, SPD).
Weil die Behörden ihm kein Gehör geschenkt hatten, soll er mehrmals das Büro der damaligen Innenministerin kontaktiert haben.
Daraufhin gab es für ihn eine Anzeige, die ihn weiter aufbrachte. Die Tonaufnahme endet regelrecht mit Geschrei des Attentäters.
10.27 Uhr: Taleb A. redet sich in Aufnahme in Rage
In der im Gerichtssaal vorgespielten Tonaufnahme wird der Angeklagte immer lauter und aggressiver. Er spricht von ermordeten Botschaftern und weiteren Tötungsdelikten.
Die Beweise für solche angeblichen Taten hätten sich auf dem USB-Stick und in einem abgesendeten Fax befunden. Sein Hass richtet sich an die Polizei, Justiz und weitere Ämter, die ihn nicht ernst genommen hätten.
10.08 Uhr: Attentäter beschwert sich über Polizeiarbeit
Die vorgespielte Audiodatei stammt offensichtlich von einem Online-Meeting mit mehreren Personen. Darin beschwert sich der Attentäter über seine bei der Polizei gestellten Anzeigen, denen jedoch nicht nachgegangen sei.
Wiederholt handelt es sich dabei um eine Situation, bei der dem Amokfahrer ein USB-Stick als Beweisstück aus dem Briefkasten geklaut wurde.
9.54 Uhr: Sitzung wird wie geplant fortgesetzt
In der Pause haben Richter und Verteidiger die Situation besprochen. Laut dem Vorsitzenden bleibt Taleb A. verhandlungsfähig. Man verzichte allerdings, wie von dem Attentäter selbst zuvor erklärt, auf dessen Aussagen.
Die Sitzung wird fortgesetzt. Ein Dolmetscher wird Audiodateien vorspielen, in der A. auf Arabisch Hassbotschaften spricht, und diese auf Deutsch übersetzen.
9.43 Uhr: Nach Beginn des Prozesstages direkt eine Unterbrechung
Der nächste Prozesstag gegen Taleb A. ist pünktlich um 9.30 Uhr eröffnet. Kaum hat der vorsitzende Richter Sternberg alle anwesenden Kläger, Anwälte und Zuschauer zum Hinsetzen aufgefordert, unterbricht ihn der Angeklagte.
Der Attentäter spricht von "Folter" in der JVA Burg, in der er momentan untergebracht ist.
"Wenn es Probleme gibt, können Sie sich beschweren. Das ist nicht Gegenstand der Hauptverhandlung. Dann landet die Beschwerde bei uns und dann wird darüber verhandelt", erklärt der Richter.
A. konnte laut eigener Aussage nur eine Stunde schlafen, ist müde und erkältet. Er fühle sich nicht verhandlungsfähig. "Ich kann nur hören und werde es vermeiden Kommentare oder Erklärungen zu machen."
Aus diesem kurzen Dialog entnimmt der Vorsitzende den Eindruck, dass der Amokfahrer dennoch zunächst verhandlungsfähig ist.
Der Verteidiger bittet um eine dreiminütige Unterbrechung. Richter Sternberg setzt die Unterbrechung auf fünf Minuten an.
Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
