Prozess um Magdeburg-Anschlag: Tonaufnahme offenbart wütenden Attentäter

Magdeburg - Der Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt wird am Mittwoch fortgesetzt. Unter anderem soll ein Gutachten vorgetragen werden.

Taleb A. (51) steht wegen mehrfachen Mordes vor dem Landgericht Magdeburg. (Archivfoto)
Taleb A. (51) steht wegen mehrfachen Mordes vor dem Landgericht Magdeburg. (Archivfoto)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Nachdem am Dienstag Twitter-Videos des Amokfahrers aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und gezeigt worden waren, ist jetzt ein Arabisch sprechender Dolmetscher geladen.

Neben ihm wird es auch eine Präsentation eines Gutachtens geben.

Darin soll es um die Schuldfähigkeiten des angeklagten Taleb A. (51) gehen.

Prozess um Magdeburg-Anschlag: Schreiben und Testament von Taleb A. verlesen
Gerichtsprozesse Magdeburg Prozess um Magdeburg-Anschlag: Schreiben und Testament von Taleb A. verlesen

Grundlegende Informationen zu dem Attentat und dem langwierigen Gerichtsverfahren findet Ihr in folgendem Artikel: "Eigenes Gerichtsgebäude gebaut: Mega-Prozess gegen Magdeburger Amokfahrer startet".

11.28 Uhr: Jetzt geht es um die Schuldfähigkeit

Ist Taleb A. schuldfähig oder nicht? Darum geht es jetzt in einem Gutachten des Sachverständigen Dr. med. Langer, welches er persönlich vorstellt.

Er hat sich über mehrere Monate mit dem Lebenslauf des Attentäter beschäftigt und versucht ihn persönlich zu sprechen. Ein Mitwirken habe der Angeklagte allerdings abgelehnt.

11.14 Uhr: Seltsamer Moment nach Frage vom Anwalt

Der Vorsitzende Richter Sternberg möchte vom Angeklagten wissen, ob er die vorgespielte Aufnahme und seine Stimme darin als echt bestätigen kann.

Anstatt ihm direkt zu antworten, drehte sich Taleb A. in Richtung seines Verteidigers und verdeckte seinen Mund mit der Hand. Sein Anwalt teilte daraufhin mit: "Mein Mandant teilte mir mit, dass er sich derzeit nicht in der Lage sieht auf diese Frage zu antworten."

11 Uhr: Attentäter soll Büro von Innenministerin Nancy Faeser kontaktiert haben

Nachdem seine Botschaft in der Tonaufnahme überwiegend um den fehlenden USB-Stick und nicht beachtete Faxnachrichten handelte, erwähnte Taleb A. die damalige Innenministerin Nancy Faeser (55, SPD).

Weil die Behörden ihm kein Gehör geschenkt hatten, soll er mehrmals das Büro der damaligen Innenministerin kontaktiert haben.

Daraufhin gab es für ihn eine Anzeige, die ihn weiter aufbrachte. Die Tonaufnahme endet regelrecht mit Geschrei des Attentäters.

Das Landgericht Magdeburg beschäftigte sich am Mittwoch mit einer Tonaufnahme des Attentäters. (Archivbild)
Das Landgericht Magdeburg beschäftigte sich am Mittwoch mit einer Tonaufnahme des Attentäters. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

10.27 Uhr: Taleb A. redet sich in Aufnahme in Rage

In der im Gerichtssaal vorgespielten Tonaufnahme wird der Angeklagte immer lauter und aggressiver. Er spricht von ermordeten Botschaftern und weiteren Tötungsdelikten.

Die Beweise für solche angeblichen Taten hätten sich auf dem USB-Stick und in einem abgesendeten Fax befunden. Sein Hass richtet sich an die Polizei, Justiz und weitere Ämter, die ihn nicht ernst genommen hätten.

10.08 Uhr: Attentäter beschwert sich über Polizeiarbeit

Die vorgespielte Audiodatei stammt offensichtlich von einem Online-Meeting mit mehreren Personen. Darin beschwert sich der Attentäter über seine bei der Polizei gestellten Anzeigen, denen jedoch nicht nachgegangen sei.

Wiederholt handelt es sich dabei um eine Situation, bei der dem Amokfahrer ein USB-Stick als Beweisstück aus dem Briefkasten geklaut wurde.

Taleb A. (l., 51) fühle sich laut eigener Aussage am Mittwoch nicht verhandlungsfähig. (Archivbild)
Taleb A. (l., 51) fühle sich laut eigener Aussage am Mittwoch nicht verhandlungsfähig. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

9.54 Uhr: Sitzung wird wie geplant fortgesetzt

In der Pause haben Richter und Verteidiger die Situation besprochen. Laut dem Vorsitzenden bleibt Taleb A. verhandlungsfähig. Man verzichte allerdings, wie von dem Attentäter selbst zuvor erklärt, auf dessen Aussagen.

Die Sitzung wird fortgesetzt. Ein Dolmetscher wird Audiodateien vorspielen, in der A. auf Arabisch Hassbotschaften spricht, und diese auf Deutsch übersetzen.

9.43 Uhr: Nach Beginn des Prozesstages direkt eine Unterbrechung

Der nächste Prozesstag gegen Taleb A. ist pünktlich um 9.30 Uhr eröffnet. Kaum hat der vorsitzende Richter Sternberg alle anwesenden Kläger, Anwälte und Zuschauer zum Hinsetzen aufgefordert, unterbricht ihn der Angeklagte.

Der Attentäter spricht von "Folter" in der JVA Burg, in der er momentan untergebracht ist.

"Wenn es Probleme gibt, können Sie sich beschweren. Das ist nicht Gegenstand der Hauptverhandlung. Dann landet die Beschwerde bei uns und dann wird darüber verhandelt", erklärt der Richter.

A. konnte laut eigener Aussage nur eine Stunde schlafen, ist müde und erkältet. Er fühle sich nicht verhandlungsfähig. "Ich kann nur hören und werde es vermeiden Kommentare oder Erklärungen zu machen."

Aus diesem kurzen Dialog entnimmt der Vorsitzende den Eindruck, dass der Amokfahrer dennoch zunächst verhandlungsfähig ist.

Der Verteidiger bittet um eine dreiminütige Unterbrechung. Richter Sternberg setzt die Unterbrechung auf fünf Minuten an.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Magdeburg: