Von Dörthe Hein
Magdeburg - Im Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt haben zahlreiche Nebenklagevertreter wie schon die Generalstaatsanwaltschaft gefordert, den Todesfahrer lebenslang wegzusperren.
"Wir sind es den Hinterbliebenen und den Verletzten schuldig, auch wenn es nichts wieder gutmacht, dass Sie nie wieder in Freiheit unter Menschen kommen", sagte der Rechtsanwalt Holger Stahlknecht im Landgericht Magdeburg in Richtung des Angeklagten.
Er vertritt einen Mann, dessen Mutter als eine von sechs Menschen bei dem Anschlag vom 20. Dezember 2024 ums Leben kam.
In vielen Verhandlungstagen sei das Geschehen, bei dem mehr als 300 Menschen verletzt wurden, noch einmal lebendig geworden, so Stahlknecht.
Er zollte den Zeugen Respekt und bezeichnete es als Zeichen von Vertrauen in den Rechtsstaat, dass sie als Nebenkläger eine Stimme bekommen haben.
Wie eine Schnecke ihr Schneckenhaus ein Leben lang mit sich trage, werde das Erlebte die Betroffenen nicht mehr loslassen. Der Täter habe nicht nur Leben physisch ausgelöscht, sondern vielen die Leichtigkeit des Seins genommen.
"Sie haben unermessliches Leid über die Menschen gebracht", sagte Stahlknecht.
Nicht körperlich Verletzte haben schwere psychische Folgen
Der Rechtsanwalt Carsten Schneider, der 26 Geschädigte vertritt, sprach von Abgründen, die sich aufgetan hätten, im Verfahren. Er beschrieb eine Reihe von Schicksalen von Mandanten, die körperlich verletzt wurden. Aber auch die nicht direkt Verletzten trügen schwer an den psychischen Folgen.
Im Prozess sind mehr als 200 Betroffene als Nebenkläger vertreten.
Am 35. Prozesstag hatte die Generalstaatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Todesfahrer beantragt, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und eine Sicherungsverwahrung.
Die Tat, die nur eine Minute dauerte, habe in ihrer Massivität jede menschlich begreifbare Dimension gesprengt, hatte Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher gesagt.
Der Angeklagte sei verantwortlich für sechs Morde und 222 versuchte Morde sowie viele Körperverletzungen. Er war mit einem Mietwagen durch die Menschenmengen auf dem Weihnachtsmarkt gefahren.