Bewaffneter Überfall auf Juwelier: Männer behaupten, sie hätten aus Angst gehandelt

Von Martin Höke

Mönchengladbach - Nach dem Überfall eines mit einer Maschinenpistole bewaffneten Trios auf einen Juwelier und Goldhändler in Mönchengladbach haben drei Männer Geständnisse abgelegt. Beim Prozessbeginn am dortigen Landgericht räumten der 21-jährige Angeklagte und die beiden 22-jährigen Angeklagten ihre Tatbeteiligung ein.

Eine halbe Million Euro Beute und eine Maschinenpistole: Im Prozess um den Überfall in Mönchengladbach haben die drei Angeklagten Geständnisse abgelegt.
Eine halbe Million Euro Beute und eine Maschinenpistole: Im Prozess um den Überfall in Mönchengladbach haben die drei Angeklagten Geständnisse abgelegt.  © Martin Höke/dpa

Die Männer aus den Niederlanden waren noch im Umfeld des Ladens gestellt worden. Sie sind unter anderem wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Überfall hatte sich am 9. August in der Mönchengladbacher Innenstadt abgespielt.

Ein Überwachungsvideo des Ladens zeigt, wie drei bewaffnete und mit Motorradhelmen und Sturmhauben maskierte Täter in das Geschäft eindringen und den Goldhändler attackieren. Doch der Inhaber wehrt sich, zwei Angehörige und zwei Kunden greifen ein.

Der 46-Jährige hatte versucht, einem der Räuber die Maschinenpistole zu entreißen. Dabei soll es sich um einen Kalaschnikow-Nachbau gehandelt haben. Bei dem Gerangel löste sich aus der Waffe ein Schuss, verletzt wurde dabei niemand.

Erst 3,3 Millionen Euro Beute, jetzt satte Haftstrafe: "Kö"-Ganove muss hinter Gitter
Gerichtsprozesse NRW Erst 3,3 Millionen Euro Beute, jetzt satte Haftstrafe: "Kö"-Ganove muss hinter Gitter

Das Überwachungsvideo des Ladens zeigt, wie einer der beiden 22-jährigen Angeklagten von vier Männern in dem Geschäft massiv bedrängt, geschlagen und getreten wird.

"Von wirklich gefährlichen Leuten" zur Tat gezwungen?

Beim Prozessbeginn am Landgericht Mönchengladbach räumten ein 21-jähriger Angeklagter und zwei 22-jährige Angeklagte ihre Tatbeteiligung ein.
Beim Prozessbeginn am Landgericht Mönchengladbach räumten ein 21-jähriger Angeklagter und zwei 22-jährige Angeklagte ihre Tatbeteiligung ein.  © Roberto Pfeil/dpa

In der Zwischenzeit räumte einer der Räuber Gold und Schmuck in eine Tasche. "Der Wert: rund eine halbe Million Euro", sagte der Goldhändler als Zeuge im Prozess. Er habe nahezu alles zurückbekommen. "Jetzt fehlen noch 170 Gramm Gold." Der Verbleib sei ungeklärt.

Übereinstimmend erklärten die Angeklagten über ihre Verteidiger, dass sie in den Niederlanden zu der Tat "von wirklich gefährlichen Leuten" gezwungen worden seien. Nur aus Angst um sich und ihre Familien hätten sie mitgemacht.

In der Einlassung des jüngsten Angeklagten hieß es, er habe in Groningen hohe Schulden beim Pokern in einer marokkanischen Shisha-Bar gemacht. Für seine Teilnahme am Überfall sollten ihm 21.000 Euro Schulden erlassen werden. Gleichzeitig sei seine Familie massiv bedroht worden.

Kein Versammlungsrecht in Lützerath? OVG NRW hat entschieden
Gerichtsprozesse NRW Kein Versammlungsrecht in Lützerath? OVG NRW hat entschieden

Ähnlich soll es bei den beiden Mitangeklagten gewesen sein. Angeblich aus Angst vor Racheaktionen gegen ihre Angehörigen wollten die drei Angeklagten keine Angaben zu den Anstiftern des Überfalls machen.

Bei einer Verurteilung müssen die jungen Männer mit mehrjährigen Gefängnisstrafen rechnen. Für den Prozess sind bis zum 4. Februar noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Titelfoto: Martin Höke/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse NRW: