Mutter und Großeltern sperren Mädchen jahrelang ein: Prozess kurz nach Beginn unterbrochen

Von Yuriko Wahl-Immel

Siegen - Der Prozess gegen eine Mutter, die ihre kleine Tochter fast ihr ganzes Leben in einem Haus im Sauerland versteckt haben soll, ist kurz nach Beginn unterbrochen worden. Die Frau soll das Mädchen völlig von der Außenwelt abgeschottet haben.

Die angeklagte Mutter (49) verbarg ihr Gesicht im Gerichtssaal hinter einer Akte.
Die angeklagte Mutter (49) verbarg ihr Gesicht im Gerichtssaal hinter einer Akte.  © Bernd Thissen/dpa

Die damals Achtjährige wurde 2022 von der Polizei nach mehreren Hinweisen aus dem Einfamilienhaus der Großeltern in Attendorn befreit.

Der mitangeklagte Großvater des Kindes erschien am Mittwoch nicht im Landgericht Siegen. Der 83-Jährige wurde nach Angaben seines Rechtsvertreters erst am Vortag aus dem Krankenhaus entlassen und sei bettlägerig.

Die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst sagte, es liege kein ärztliches Attest vor. Der Mann sei somit "unentschuldigt abwesend". Deswegen könne die Anklageschrift nicht verlesen werden.

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Die Verhandlung wurde nach rund einer halben Stunde unterbrochen und soll am 12. Januar wie geplant fortgesetzt werden. Offen ist nach Angaben der Richterin, ob das Verfahren gegen den Großvater abgetrennt werden muss.

In diesem Haus sollen die Mutter und die Großeltern das Mädchen über Jahre eingesperrt und von der Außenwelt völlig isoliert haben.
In diesem Haus sollen die Mutter und die Großeltern das Mädchen über Jahre eingesperrt und von der Außenwelt völlig isoliert haben.  © Markus Klümper/DPA

Keine Kita, keine Schule, keine Freunde: Familie verwehrt Mädchen normales Leben

Auch die 80-jährige Großmutter des Kindes ist wegen Beihilfe mitangeklagt.
Auch die 80-jährige Großmutter des Kindes ist wegen Beihilfe mitangeklagt.  © Bernd Thissen/dpa

Der 49-jährigen Mutter des Kindes werden die Entziehung Minderjähriger, Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung und die Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten vorgeworfen. Sie soll das Mädchen schon seit frühem Kleinkindalter rund sieben Jahre lang im Haus der Großeltern eingesperrt haben.

Der Fall aus Nordrhein-Westfalen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Wegen Beihilfe mitangeklagt ist neben dem Großvater auch die Großmutter. Die 80-Jährige war beim Prozessauftakt anwesend.

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Dem Kind war laut Anklage seit 2015 ein normales Leben mit Kita, Schule sowie jeglichen Kontakten zu anderen Menschen verwehrt worden. Es soll in der Isolation erhebliche Entwicklungsrückstände erlitten haben und ist inzwischen zwölf Jahre alt.

Am Mittwoch mussten sich die Mutter (49) des Kindes sowie die Großeltern vor dem Landgericht Siegen verantworten - der Großvater erschien jedoch nicht. (Archivbild)
Am Mittwoch mussten sich die Mutter (49) des Kindes sowie die Großeltern vor dem Landgericht Siegen verantworten - der Großvater erschien jedoch nicht. (Archivbild)  © Markus Klümper/DPA

Richterin bietet wiederholt Rechtsgespräch an

Am Mittwoch erklärte Metz-Horst, sie habe der Mutter und den Großeltern des Kindes bereits zuvor ein Rechtsgespräch angeboten. Dieses Angebot erneuerte sie nun.

Ob darauf eingegangen wird, blieb zunächst unklar. Bei einem Rechtsgespräch wird versucht, zwischen den Prozessbeteiligten eine Verständigung zu erreichen, unter anderem um die Dauer des Verfahrens zu verkürzen.

Erstmeldung vom 7. Januar, 9.14 Uhr; zuletzt aktualisiert um 11.13 Uhr.

Titelfoto: Bernd Thissen/dpa

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