Mutter und Großeltern sperren Mädchen jahrelang ein: Prozess schon wieder unterbrochen

Von Claudia Irle-Utsch, Florentine Dame

Siegen - Nach einem Suizidversuch der angeklagten Mutter (49) ist der Strafprozess gegen die Frau, die ihre kleine Tochter fast deren ganzes Leben in einem Haus im Sauerland versteckt haben soll, vertagt worden.

Der Prozess gegen die angeklagte Mutter (49) sollte am Donnerstag fortgesetzt werden, die Frau erschien jedoch nicht vor Gericht.
Der Prozess gegen die angeklagte Mutter (49) sollte am Donnerstag fortgesetzt werden, die Frau erschien jedoch nicht vor Gericht.  © Bernd Thissen/dpa

Wie die Vorsitzende Richterin des Landgerichts Siegen erklärte, habe die 49-Jährige versucht, sich das Leben zu nehmen. Ihr Zustand sei lebensbedrohlich und sie befinde sich in intensivmedizinischer Behandlung. Die Verhandlung wurde daraufhin für den heutigen Prozesstag unterbrochen.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung vor. Sie soll ihr Kind sieben Jahre lang im Haus der Großeltern in Attendorn in NRW völlig abgeschottet und ihm ein normales Leben verwehrt haben.

Wegen Beihilfe sind auch die Großeltern angeklagt, die die Mutter unterstützt haben sollen.

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Der Prozess war in der vergangenen Woche gestartet und sollte an diesem Donnerstag mit der Verlesung der Anklage fortgesetzt werden. Allerdings waren alle drei Angeklagten am Morgen nicht vor Gericht erschienen. Die Polizei war daraufhin ausgerückt, um sie vorführen zu lassen.

Polizei findet Frau in kritischem Zustand

In diesem Haus sollen die Mutter und die Großeltern das Mädchen über Jahre eingesperrt und völlig von der Außenwelt isoliert haben.
In diesem Haus sollen die Mutter und die Großeltern das Mädchen über Jahre eingesperrt und völlig von der Außenwelt isoliert haben.  © Markus Klümper/DPA

Wie ein Sprecher der Beamten berichtete, war die Frau von Einsatzkräften in ihrem Haus in einem medizinisch kritischen Zustand gefunden worden. Ein Rettungshubschrauber brachte sie in eine Klinik.

Die Richterin verzichtete daraufhin auch auf eine Vorladung der angeklagten Großeltern. Auch für sie sei die Situation extrem belastend, so die Richterin.

Die Verhandlung soll – nach Prüfung der Umstände – frühestens am 4. Februar fortgesetzt werden.

Normalerweise berichtet TAG24 nicht über versuchte Suizide. In diesem Fall hat die Redaktion aber entschieden, den Fall doch zu thematisieren, da sich dieser im Rahmen eines laufenden Gerichtsprozesses ereignet hat. Solltet Ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.

Titelfoto: Markus Klümper/DPA

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