Versuchter Mord in 13 Fällen nach verheerender Explosion: Vater und Sohn vor Gericht

Aachen - Rund neun Monate nach einer verheerenden Explosion in einem Wohn- und Geschäftshaus startet nun der Prozess. Den beiden Angeklagten - Vater (56) und Sohn (22) - soll es um die Versicherungssumme für ihr Geschäft gegangen sein.

Die Explosion hatte eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem 13-fachen versuchten Mord vor.
Die Explosion hatte eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem 13-fachen versuchten Mord vor.  © Federico Gambarini/dpa

Die Explosion erschüttert die Fußgängerzone in Eschweiler im März 2023 um 21.19 Uhr: In Geschäften zerbrechen Fensterscheiben, Wände stürzen ein. In Wohnungen brennt es, an Fenstern rufen Bewohner nach Hilfe.

13 Menschen, darunter ein kleines Baby, erleiden teils lebensgefährliche Verletzungen. Als mutmaßliche Verursacher stehen vom 6. Dezember an zwei Männer in Aachen vor dem Landgericht. Sie sind Vater und Sohn, 56 und 22 Jahre alt.

Die Inhaber eines Modegeschäfts im Haus sollen die Explosion verursacht haben, um von der Versicherung Geld zu kassieren.

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Die Aachener Polizei erklärte früh, dass Fremdverschulden als Ursache nicht ausgeschlossen sei. Zwei Tage nach der Explosion kam der 22-Jährige in Untersuchungshaft, wenige Tage darauf der Vater.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern mit deutscher und irakischer Staatsangehörigkeit unter anderem 13-fachen versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 15 Fällen und besonders schwere Brandstiftung vor. Bei einer Verurteilung sind eine mehrjährige Freiheitsstrafe bis lebenslang möglich.

Vater und Sohn wollten mutmaßlich Versicherungsbetrug begehen - mit fatalen Folgen

In dem Prozess vor dem Schwurgericht Aachen sind über 50 Zeugen geladen, darunter auch mehrere Polizeibeamte.
In dem Prozess vor dem Schwurgericht Aachen sind über 50 Zeugen geladen, darunter auch mehrere Polizeibeamte.  © Thomas Banneyer/dpa

Die Ermittler sind überzeugt, dass die Angeklagten einen gemeinsamen Tatplan hatten. Der 22-Jährige soll in dem unrentablen Laden im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses Brandbeschleuniger ausgegossen und später angezündet haben. Es habe einer durch ein Gasleck entstandenen Explosion gleichen sollen, die durch den Versicherungsschutz abgedeckt gewesen sei, meinen die Ermittler.

In dem Haus und im Nachbargebäude hielten sich zum Zeitpunkt der Detonation am Abend des 30. März neun Bewohner auf. Einige erlitten erhebliche Verbrennungen, zwei von ihnen kamen auf die Intensivstation. Auch Nachbarn und Rettungskräfte wurden verletzt.

200 Retter waren im Einsatz. Mehr als zwei Millionen Euro Sachschaden sollen entstanden sein. Nach der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 hatten einige Geschäfte gerade erst wieder eröffnet.

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Das Schwurgericht in Aachen hat für den Prozess bis zum 5. Januar zwölf Verhandlungstage geplant. Über 50 Zeugen sind geladen. Darunter sind Anwohner, Polizeibeamte und Feuerwehrleute. Ein Brandsachverständiger und ein Rechtsmediziner kommen zu Wort. Ob die Angeklagten bei den Ermittlern ausgesagt haben, ist nicht bekannt.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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