Weißwasser - Ein Blitzer, ein Audi mit einem Kultusminister am Steuer und der Vorwurf des verbotenen Kraftfahrzeugrennens. Das ist der Stoff, aus dem der Prozess ist, der ab dem heutigen Freitag im Amtsgericht in Weißwasser verhandelt werden soll. Jetzt endlich soll geklärt werden, ob Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (43, CDU) bei seiner mutmaßlichen Tempofahrt vor fast drei Jahren eine Straftat beging.
Im September 2023 wurde der Politiker auf der Ortsdurchfahrt in Krauschwitz in der Oberlausitz mit 81 km/h geblitzt. Erlaubt waren dort nur 30 km/h. Für diese Verkehrsordnungswidrigkeit (OWi) setzte es 550 Euro und zwei Monate Fahrverbot.
Clemens legte gegen den Bescheid erst Einspruch ein, zog den aber dann doch zurück. Allerdings hatte zwischenzeitlich der zuständige Amtsrichter den Fall in ein Strafverfahren umgewandelt.
Nach Ansicht des Juristen könne auch ein illegales Rennen (auch gegen sich selbst), mithin eine Straftat, vorliegen.
Es folgte ein Streit über die Aufhebung der Immunität, um überhaupt juristisch gegen Clemens vorgehen zu können.
Polizei sperrte B115 in Krauschwitz extra für Raser-Gutachten
Im März 2025 bot der Richter dann die Einstellung des Verfahrens an. Die Auflagen waren saftig: Der Minister sollte 10.000 Euro zahlen (davon zwei Drittel an gemeinnützige Vereine), 20 Stunden Fahrsicherheitstraining absolvieren und 20 Stunden Verkehrsunterricht vor Schülern abhalten.
Dafür hätte "Speedy Conrades", der nicht das erste Mal beim Rasen erwischt worden war, strafrechtlich eine saubere Weste behalten. Doch dem Vorschlag stimmte nun wiederum der Staatsanwalt nicht mehr zu. Die Folge: Ein Prozess wurde nötig.
In Vorbereitung dessen ordnete der Richter auch noch ein umfangreiches Gutachten an. Und so sperrten im Februar 2026 zahlreiche Polizisten stundenlang die B115 in Krauschwitz (knapp über 3000 Einwohner), damit DEKRA-Experten im baugleichen Minister-Audi über die Straße rasen konnten, um zu klären, wie schnell dort überhaupt gefahren werden könne.
Jetzt soll ab Freitag verhandelt werden. Ursprünglich war der Prozessstart für Ende Mai geplant. Aber da gab es nach TAG24-Informationen noch Fragen zum Gutachten zu klären. Vorerst hat das Gericht vier Prozesstage geplant, um Anfang Juli zu urteilen und den unsäglichen Fall endlich zu beenden.