Polizeischüler zeigt Autofahrer den Stinkefinger: Jetzt sitzt er auf der Anklagebank

Weißwasser - Polizisten sind auch nur Menschen. Das zeigte sich in einem Prozess am Amtsgericht Weißwasser. Dort hockte Max L. (20, Name geändert) auf der Anklagebank, weil er im Straßenverkehr einem anderen Autofahrer den Stinkefinger zeigte und am Steuer zum Handy griff.

Polizeischüler Max L. benahm sich daneben. (Symbolbild)
Polizeischüler Max L. benahm sich daneben. (Symbolbild)  © Michael Reichel/dpa

Es war der Klassiker im April 2022: typischer Oster-Stau-Verkehr auf deutschen Autobahnen. Mittendrin Max und seine beiden Mitfahrer. Die Polizeischüler waren auf dem Heimweg von der Ausbildung in Bamberg nach Sachsen.

Auf der A72 rollte die Karawane dann in einer Baustelle direkt in den nächsten Stau.

"Ich war echt genervt", gab Max zu. "Ich wollte eine Nachricht nach Hause schicken, dass es später wird."

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So griff er zum Handy und tippte, während sein Wagen im Stop-and-go-Modus rollte. Zu allem Überfluss hielt dabei sein Beifahrer auch noch den Lenker fest!

"Augenblickversagen, das nicht ungesühnt bleiben kann": Richter findet klare Worte

Max zeigte einem Wohnmobilfahrer den Stinkefinger und muss nun dafür blechen.
Max zeigte einem Wohnmobilfahrer den Stinkefinger und muss nun dafür blechen.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Das blieb nicht unbeobachtet.

Der Fahrer eines Wohnmobils wurde darüber so wütend, dass er die Männer anblaffte.

Reaktion aller Polizeischüler: Sie zeigten dem Familienvater den Stinkefinger. Der ließ das nicht auf sich sitzen und zeigte den Fahrer an. Und so fand sich Max bei Gericht wieder und erklärte kleinlaut: "Ich hatte mich nicht unter Kontrolle, bin selbst erschrocken über mein Verhalten." Entschuldigt hatte er sich bei dem Wohnmobil-Fahrer zuvor auch schon.

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Der Richter hielt Max eine Standpauke: "An Sie werden hohe Anforderungen gestellt. Sie müssen das Symbol der Rechtstreue zeigen. Wenn Sie auch nur einmal den Stinkefinger gezeigt haben, ist das ein Augenblickversagen, das nicht ungesühnt bleiben kann."

Dennoch wurde das Verfahren eingestellt. Dafür muss Max 1000 Euro an die Staatskasse zahlen und 500 Euro an das Opfer.

Max ist übrigens im Frühjahr mit seiner Ausbildung fertig und will dann zur mobilen Überwachungseinheit ...

Titelfoto: Montage: Michael Reichel/dpa, Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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