Rechte Parolen und Tochter beleidigt: Richter schickt Polizist nach Auschwitz

Weißwasser - Ob das hilft? Kriminaloberkommissar Thomas P. (48) postete SA-Parolen, beschimpfte seine Tochter als "dumme Fotze", warf mit Moped-Teilen um sich und landete am Freitag dafür auf der Anklagebank. Selbst dort kippte er mitgebrachte Zigarettenstummel auf den Tisch. Am Ende verdonnerte Richter Christoph Pietryka (61) ihn zu einem Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau.

Kriminaloberkommissar Thomas P. (48) musste sich wegen SA-Sprüchen vor Gericht verantworten.  © Steve Schuster

Im Juli 2023 war der Kommissar ausgerastet: Weil Freunde seiner Tochter (22) ihre Kippen auf das Grundstück geschnipst haben sollen, beleidigte er sie wüst, warf Motorradteile der Tochter aus einer Garage.

Das gesteht Thomas P. auch, kippt zur Verdeutlichung die aufgesammelten Kippen auf den Tisch. Das Verhältnis zur Tochter ist spätestens seitdem zerrüttet.

Dem Ärger im Privaten könnte Ärger auf Arbeit folgen: Am 26. Mai 2024 stellte er das Bild eines Wandreliefs mit der Nazi-Parole "Alles für Deutschland" in seinen WhatsApp-Status, zwischen Mai und November 2024 kommentierte er unter einem Meme bei Instagram: "Ich zitiere Cathy Hummels: 'Alles für Deutschland.'"

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Der Polizist redete sich raus: "Ich habe mir gedacht, es kann ja nicht so schlimm sein, wenn man sein Land ehrt", sagt er zum Bild. "Ich wusste nicht, dass es eine Losung war."

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Besuch in Auschwitz soll Thomas P. künftig von rechten Parolen abhalten

Das KZ Auschwitz: Für mehr als eine Million Opfer führten diese Schienen in den Tod.  © 123RF

Wenig glaubwürdig, nur ein paar Tage zuvor hatte das Urteil für Björn Höcke (54, AfD) wegen dieser Parole hohe Wellen geschlagen. Auch deshalb lehnte die Staatsanwältin die Einstellung mit Auflage eines Auschwitz-Besuchs ab, forderte stattdessen 100 Tagessätze zu je 90 Euro.

Richter Pietryka verhängte stattdessen 70 Tagessätze zu je 60 Euro. Allerdings auf Bewährung, Auflage: der Besuch in Auschwitz und 600 Euro an die Tochter.

"Sie sind Kriminaloberkommissar", so der Richter zum Angeklagten. "Sie wissen, was hinter der Parole steht."

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Wenn er sehe, was in Auschwitz passiert sei, würde er künftig andere von solchen Parolen abhalten, so Pietrykas Hoffnung.

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