Nach Missbrauchsverdacht: Kliniken erarbeiten verschärfte Kinderschutz-Regeln
Von Monika Wendel
Nauen - Nach dem Missbrauchsverdacht gegen einen Kinderarzt der Havelland-Kliniken sollen die Kinderschutzkonzepte aller Krankenhäuser in Brandenburg überprüft werden.
Wie eine Sprecherin mitteilte, sammelt die Landeskrankenhausgesellschaft bis Ende Februar die bestehenden Konzepte. Eine Arbeitsgruppe soll sie anschließend auswerten und Empfehlungen erarbeiten.
Ein Arzt sitzt in Untersuchungshaft, weil er während seiner Tätigkeit im Krankenhaus Rathenow ein Kind sexuell missbraucht haben soll. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es weitere Opfer gibt, und ermittelt zu einem Zeitraum von rund zehn Jahren.
Die Havelland-Kliniken arbeiten ihren Angaben zufolge den Fall mit externen Fachleuten auf und überarbeiten ihr Kinderschutzkonzept grundlegend. Sprecherin der Havelland-Kliniken, Babette Dietrich, erklärte:
"Mit der Überarbeitung wird dem Aspekt des Schutzes vor institutioneller Kindeswohlgefährdung – also innerhalb der Kliniken – ein deutlich größeres Gewicht zukommen als bisher." In Nauen und Rathenow startet zudem eine Überprüfung von Abläufen und Strukturen zur Qualitätssicherung.
Erste Maßnahmen wurde bereits umgesetzt
Bei Neueinstellungen ist das Kinderschutzkonzept verbindlicher Bestandteil des Arbeitsvertrags. Beschäftigte mit regelmäßigem Kontakt zu Minderjährigen müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, das künftig alle drei Jahre erneut geprüft wird.
Das Vier-Augen-Prinzip bei Untersuchungen von Kindern gilt verbindlich. Ist keine zweite Person verfügbar, werden nicht dringende Untersuchungen verschoben.
Das am 14. Januar eingerichtete Elterntelefon wurde bislang von zwölf Familien genutzt und bleibt mit dreimal wöchentlichen Sprechzeiten weiterhin erreichbar.
Titelfoto: Elisa Schu/dpa
